Lange hatten wir darauf gewartet, nun war es endlich soweit: seit Beginn des Jahres muss auch Gisela nicht mehr den täglichen Gang zur Arbeit bewältigen. Endlich konnten wir nun daran gehen, unsere schon oft geträumten Träume Realität werden zu lassen: viel Freizeit auf dem Wasser zu verbringen und dabei auch neue Städte, Gebiete und Landschaften (und auch Länder?) kennen zu lernen.  Nach reichlichen Überlegungen und Diskussionen waren wir Anfang des Jahres zu dem Ergebnis gekommen, unsere Four Winns Vista 248 zu verkaufen und uns ein größeres Stahlboot zu kaufen. Man kann auch sagen: weg vom schnellen Gleiter und hin zum langsamen Verdränger. Wir wussten von unseren Reisen aus den vergangenen Jahren, dass unsere Four Winns ein wunderbares Boot für kurze Reisen ist, jedoch für unsere geträumten längeren Reisen nicht die erste Wahl war. Four Winns: Bei schönem Wetter ein Traumboot für das Wochendende - bei schlechtem Wetter ein Albtraumboot bei längeren Reisen.  Also habe ich Ende letzten Jahres angefangen, im Internet nach geeigneten Schiffen für unsere Pläne zu suchen. Es stand zwar der Neukauf noch nicht an, aber Marktbeobachtung war angesagt. Es stellte sich schnell heraus, dass zwar viele Schiffe angeboten wurden, jedoch war unser Wunschboot nicht dabei (oder unsere Geldbörse passte nicht zum Schiff). Auch war zu diesem Zeitpunkt kaum Bewegung auf dem Markt. Es wurden kaum neue Boote angeboten und die bekannten, alten Inserate waren auch noch immer zu finden.  Mitte Februar bot ich dann unsere Four Winns im Internet zum Verkauf an. Nachdem nun drei Wochen nichts passierte, machte ich mir schon die ersten Gedanken, ob zum Verkauf des Bootes doch ein Makler eingeschaltet werden müsste. Dies wollten wir natürlich vermeiden, da beim Bootsverkauf bzw. Bootskauf das Bestellerprinzip gilt: wer bestellt, der zahlt. Beauftragen wir also einen Makler, müssen wir die Maklergebühr berappen. Dies schmälert den Verkaufserlös doch beträchtlich.  Mittlerweile war es März, es wurde wärmer und - mir ging es ja genau so - man konnte die beginnende Bootssaison schon förmlich riechen. Es stellte sich heraus, dass der Zeitpunkt des Inserats doch gut gewählt war. Es meldeten sich nun mehrere Interessenten und, um es kurz zu machen, Mitte März waren wir uns mit einem Interessenten einig und unsere Four Winns war nicht mehr unsere.  Selbstverständlich hatte ich in dieser Zeit den Markt für Stahlboote weiter beobachtet. Auch hier merkte man, dass die neue Bootssaison im Anmarsch war, denn das Angebot wurde größer. Mitte März, also passend zum Verkauf des alten Bootes, hatte ich eine Liste mit 11 interessanten Schiffen erstellt. Was ich beim Verkauf der Four Winns festgestellt hatte, erlebte ich nun ein zweites Mal. Diesmal allerdings zu meinem Nachteil denn ich war nicht der einzige Interessent an diesen Booten. Ein Teil der Schiffe war bereits verkauft und der andere Teil stellte sich in den Gesprächen mit den Besitzern als nicht mehr geeignet heraus. So sahen die Boote auf den veröffentlichen Fotos zwar meistens gut aus und die genannten technischen Daten klangen auch im allgemeinen gut, jedoch lernt man bei der Analyse der Daten schnell, dass es viel wichtiger ist, was vom Besitzer nicht genannt wurde. Da muss man nämlich nachfragen. Ein Beispiel: ein 9 Jahre altes Stahlboot mit sehr guter Ausrüstung, aus Altersgründen abzugeben (klingt gut, kann man aber am Anfang nie nachprüfen), die Fotos machen auch einen entsprechenden Eindruck, alle technischen Daten sind OK. Was aber nicht genannt wurde, war die bisher gelaufene Betriebszeit. Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass der Motor bereits 3950 Stunden auf dem Zähler hat. Damit war der geforderte Preis dann doch kein Schnäppchen mehr.  Anfang April hatte ich dann zwei weitere Boote gefunden. Die geforderten Preise waren zwar am oberen Ende unseres Limits, aber die Fotos machten neugierig und die Gespräche mit den Maklern (beide Boote standen in Holland und Makler waren für der Verkauf zuständig) waren sehr konstruktiv, also machte ich Besichtigungstermine fest.  Wir fuhren mit Bootsfreunden aus unserer Grünauer Zeit auf Besichtigungstour nach Holland und haben uns dort die beiden Schiffe angesehen. Das erste - unser geheimer Favorit - gefiel uns gut, jedoch waren einige Mängel zu entdecken. In dem Verkaufsgespräch mit dem Bootshersteller, der in diesem Fall jedoch nur als Makler fungierte, konnten wir uns nicht auf einen Preis einigen. Wir machten dann ein neues Angebot, das auch die Behebung der gefundenen Mängel beinhaltete, und erklärten dem Verkäufer, dass wir noch 2 Tage in Holland unterwegs seien. Er solle mit dem Eigentümer noch einmal über den Preis reden und für die Behebung der gefundenen Mängel ein entsprechendes Angebot machen. Wir wären nur nicht bereit unser Angebot zu erhöhen. Uns war es ja letztendlich egal, ob der Eigentümer oder die Werft von ihren Preisvorstellungen abrückte.  Am nächsten Tag sind wir dann zum zweiten Boot gefahren, welches südlich von Amsterdam in einem kleinen Hafen lag. Es war eine schöne Sucherei den Hafen zu finden, da südlich von Amsterdam eine rege Straßenbautätigkeit herrscht und unsere Navi-Karten bereits von 2011 - also veraltet - waren. Aber wir haben den Hafen natürlich gefunden. Da wir bereits ca. 2 Stunden vor dem vereinbarten Termin vor Ort waren, konnten wir das Schiff erstmal nur von außen begutachten. Es war ein schönes, sehr gepflegtes Boot, der äußere Eindruck war hervorragend. Mit dem Eigentümer haben wir dann später auch das Innere und die Innereien (sprich technische Ausrüstung) betrachtet. Hier setzte sich der erste Eindruck nahtlos fort: alles gepflegt und in Ordnung. Blieben also nur noch die Preisverhandlungen. Das Angebot war uns ja bekannt, aber handeln muss man trotzdem. Wir machten also unser Gegenangebot, der Eigentümer sprach mit seiner Frau (diese war in der nahegelegenen Wohnung zurückgeblieben) und kam mit einem Zettel zurück. Das war das neue Angebot. Ich las den Zettel, streckte dem Eigentümer meine Hand entgegen und der Verkauf war per Handschlag besiegelt. Natürlich sind wir dann noch zu dem Makler gefahren und haben das ganze schriftlich festgehalten.  Als wir wieder im Auto saßen, klingelte das Telefon. Es war der Verkäufer des ersten Bootes. Ich bedankte mich bei ihm noch einmal für seine Bemühungen und teilte ihm mit, dass wir uns für ein anderes Boot entschieden hatten. Seine Enttäuschung konnte man am Telefon richtig hören. Aber er war selbst Schuld: unser Angebot und seine Forderungen lagen nämlich nur 5.000€ auseinander. Hier hätte er sofort mit dem Eigentümer und seinem Chef reden können, dann hätte er am Vortag vermutlich das Geschäft gemacht.  Als neue Bootsbesitzer sind wir dann wieder nach Hause gefahren. Nun gab es einiges zu tun: Boot bezahlen, Versicherungsangebote einholen, Versicherung abschließen, Fahrmöglichkeiten nach Rijnslaterwoude (in dem Ort lag das Boot) erkunden ... Wir sind dann Anfang Mai mit dem Auto zum Boot gefahren und haben unsere notwendigen Sachen - zumindest das, was wir für einen 7-8 wöchigen Bootstörn als notwendig erachteten - zum Boot gebracht. Es hat sich gelohnt, das Auto war voll. Erstaunt waren wir erst, als wir die Sachen auf dem Boot verstaut hatten und immer noch Stauraum vorhanden war.  Wieder in Berlin konnten wir das Boot anmelden, da wir nun alle benötigten Unterlagen hatten. Einige Kleinigkeiten mussten noch besorgt werden (z.B. deutsche Flagge für das Boot, Kennzeichen der Bootszulassung, mein Geburtstagsgeschenk (ein gutes Fernglas), niederländische Gastlandflagge, Bootsschuhe...) und anderes organisiert werden (z.B. Briefkasten, Blumen).

Bootskauf 

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