Hamburg - Kappeln 

HoKo on Tour 2017 
zurück zurück Während unseres zehntägigen Aufenthalts im City-Sportboothafen Hamburg hatten wir oft gesehen, wie die Elbfähren und die Hafenbarkassen fahren, speziell wenn sie Touristen befördern. Man kann nicht behaupten, dass sie auf andere Boote Rücksicht nehmen. Mein Eindruck war eher, dass die Barkassen jedes Sportboot als Feind ansehen, das man zwar nicht versenken darf aber doch mit einer fast schon brutal zu nennender Fahrweise, gepaart mit ordentlichen Wellen, gehörig ärgern kann. Aus diesem Grund waren wir fast froh, dass an unserem Reisetag der höchste Wasserstand bereits um 5:41 Uhr war. Zu dieser Zeit sind noch keine Touristen unterwegs und demzufolge erwarteten wir nur wenige Hafenbarkassen auf der Elbe.  Ohne Wecker wurden wir um 5:00 Uhr wach. Ein Blick aus dem Fenster trug zu unserer guten Laune bei: es war trocken, bereits 15°C, kaum Wind und die Elbe machte noch einen ruhigen,  verschlafenen Eindruck. Frisch geduscht und vom Frühstück gut gestärkt machten wir um 5:50 Uhr die Leinen los und verließen den City-Hafen. Wie erwartet waren nur wenig Elbfähren unterwegs und wie gewünscht noch keine Barkassen. So hatten wir eine ruhige Fahrt vorbei an Finkenwerder, Blankenese, Willkomm-Höft (hier werden die einlaufenden, großen Schiffe mit ihrer Nationalhymne begrüßt) und Wedel.  Kurz vor Stade begegnete uns dann ein Konvoi von 4 Schiffen der Marine. Die Jungs fuhren nicht nur schnell, sondern machten auch eine große Welle. Wir konnten uns auf Deck nur noch festhalten und hörten aus unserer Küche auch schon Krach. Es waren die mit Abstand höchsten Wellen, die wir bis dahin auf unserer Tour hatten. Und vorwegnehmend: es blieben die höchsten Wellen auf der ganzen Tour. Als das Wasser sich wieder etwas beruhigt hatte, ging Gisela in die Küche, um sich das Malheur anzusehen. Glücklicherweise war nur eine Salzmühle herunter gefallen, alles anderer war gut genug verstaut gewesen.  Der Rest war dann wieder eine ruhige Spazierfahrt bis zu unserem Tagesziel Glückstadt, das wir bereits um 10:05 Uhr erreichten. Die Strömung des abfließenden Wassers hatte also zu einer für uns ungewohnten Reisegeschwindigkeit von über 14 Km/h geführt. Im Außenhafen fanden wir noch einen passenden Liegeplatz und kurz darauf waren wir auch schon auf dem Weg in die Stadt. Wir als Fischliebhaber staunten nicht schlecht, als wir noch im Hafenbereich ein Plakat fanden mit dem Hinweis „vom 8. Juni bis zum 11. Juni 2017 finden die 50. Glückstädter Matjeswochen statt“. Das passte prima, heute war nämlich der 9. Juni. Wir machten noch ein paar Besorgungen und nahmen uns vor, abends die Matjeswochen in Angriff zu nehmen. An Bord war dann erstmal ausruhen angesagt, denn wer morgens um 5:00 Uhr aufsteht, darf mittags auch mal ein Schläfchen halten.  Nachmittags wurde das Wetter viel schlechter, Nieselregen und starker Wind kam auf. Trotzdem rappelten wir uns zum Matjes-Landgang auf. Wieder zurück mussten wir sehen, dass sich ein Segler längsseits an unserem Boot gelegt hatte. Alle Liegeplätze waren belegt. Als wir dem Skipper sagten, dass wir morgen um 7:00 weiterfahren wollten, sagte er nur: „kein Problem, wir wollen bereits um 6:00 Uhr weiter:“. Nun, das Problem war also gelöst. Mittlerweile kamen immer mehr Segler in den Hafen und alle suchten einen Liegeplatz zum Übernachten. Unser längsseits liegender Segler meinte dann, dass sie heute eine Sternfahrt nach Otterndorf organisiert hatten. Da aber Otterndorf von Glückstadt aus nicht mehr bei Tageslicht zu erreichen war, kamen also alle in den Hafen. Ich habe mir die Frage verkniffen, was er denn organisiert habe, wenn im Hafen niemand von dieser Sternfahrt wusste. Es war aber interessant zu sehen, wie 7-8 Segler im Päckchen liegen, glücklicher Weise hatte der Wind nachgelassen. Zu uns kam übrigens niemand mehr, vielleicht wollten die nicht neben einem Motorboot liegen. Na uns war das auf jeden Fall recht.  Am nächsten Morgen kam das Erwartete; unser Seglernachbar war natürlich noch nicht weg, ja es schien so, als seien die noch gar nicht wach. Also habe ich höflich, aber nicht allzu zaghaft angeklopft und darauf hingewiesen, dass wir Weiterfahren wollten. Das wieder ablaufende Wasser musste schließlich genutzt werden. Noch gähnend machte der Skipper also sein Schiff los und ließ uns fahren. Wir konnten dann noch sehen, wie er anschließend unseren Platz am Steg einnahm. Es ist mir bis heute noch unverständlich, warum die Segler nicht ebenfalls das fallende Wasser genutzt haben, vielleicht wollten sie noch ca. 12 Stunden bis zur nächsten Tide warten. Aber das war ja nicht unser Problem.  So fuhren wir ganz allein bis nach Brunsbüttel zur Schleuse in den Nord-Ostsee-Kanal (NOK). Das Wetter war über Nacht wieder viel besser geworden: kein Regen dafür Sonne, nur schwacher Wind und morgens um 7:20 Uhr, unsere Abfahrtzeit, bereits 18°C.  Vor der Schleuse Brunsbüttel gibt es keine Wartestellen für Sportboote, dafür aber meistens lange Wartezeiten. Vor der Schleuseneinfahrt, am Nordufer der Elbe - hier fließt die Elbe übrigens fast genau von West nach Ost - ist dann die Stelle, wo die Sportboote warten. Zu dicht ans Ufer darf man nicht fahren, sonst fehlt bei Niedrigwasser die berühmte Handbreit Wasser unter dem Kiel. Anker werfen ist auch nicht die richtige Lösung. Also den Bug des Schiffes gegen die Elbströmung gestellt und einfach nur eingekuppelt. In den Häfen fahren wir so ungefähr 3-4 Km/h. Da die Strömung fast genauso stark war, blieben wir demzufolge fast auf der Stelle stehen.  Nach 75 Minuten hatte das Dümpeln in der Strömung endlich ein Ende und wir durften in die Schleusenkammer einfahren. Der erste Eindruck bei der Einfahrt in die 310m lange und 42m breite Schleuse war doch sehr beeindruckend. Aber trotz dieser gigantischen Maße doch nur eine Schleuse, die wir um 10:30 schon wieder verlassen hatten.  Ursprünglich wollten wir in Brunsbüttel übernachten. Da es jedoch noch so früh und das Wetter einfach herrlich war, sind wir dann doch weitergefahren. Die entgegenkommenden Schiffe hatten zum Teil auch riesige Ausmaße, jetzt war klar, warum die Schleuse so groß war. Im Nord-Ostsee-Kanal wird der Schiffsverkehr durch Signalanlagen gesteuert, die auch von der Sportschifffahrt befolgt werden muss. Dies gilt insbesondere wenn Schiffe der größten Kategorie 6 unterwegs sind. Diese Schiffe können und dürfen nicht überholt werden, zusätzlich ist auch das Begegnen, also das Vorbeifahren, dieser Schiffe nicht erlaubt. Dafür gibt es im Kanal extra breite Begegnungsstellen, deren Ausfahrt durch die Signalanlagen gesteuert wird. Auch wir mussten einmal auf so einen Riesenpott warten. Als der Riese langsam an uns vorbei fuhr, wussten wir, dass wir nur eine kleine Nussschale haben.  Die Fahrt durch den NOK war kurzweilig und ruhig. Nachmittags erreichten wir Rendsburg und wir entschlossen uns, beim Regatta-Verein Rendsburg für ein paar Tage zu bleiben. Wir haben die Stadt erkundet und auch unsere Vorräte aufgefrischt. Mit der bekannten Schwebefähre wollten wir über den Kanal setzen, jedoch ist die Fähre seit einer Kollision eines Frachters nicht im Betrieb, Pech gehabt. Dafür haben wir eine Radtour am Kanal entlang gemacht. Auf der längsten Bank der Welt (575,75 Meter lang) haben wir kurz für ein Foto-Shooting eine Pause eingelegt und sind anschließend bis Breiholz gefahren. Dort haben wir mit der Autofähre zur anderen Seite übergesetzt und sind an der anderen Kanalseite wieder nach Rendsburg zurückgefahren. Die Fähren über den Kanal sind übrigens alle kostenlos, dies geht noch auf eine Anordnung des letzten Kaisers zurück.  Während unserer Zeit in Rendsburg haben wir immer die Wetterprognosen beobachtet. Bis zum Ende des Kanals in Kiel war es nicht mehr  weit, sodass die nächste Etappe bereits zum Teil auf der Ostsee zu bewältigen war. Und da wollten wir keinen Sturm haben. Nach drei Tagen war die Prognose günstig und wir beschlossen, nächsten Morgen Rendsburg zu verlassen.   Bei strahlender Sonne und nur schwachem Wind sind wir nach dem Frühstück um 08:30 Uhr abgefahren und erreichten die Schleuse in Kiel-Holtenau um 11:55 Uhr. Der kleine Sportbootanleger war schon komplett belegt, aber wir konnten uns längsseits an einem Segler  festmachen. Nun begann das große Warten. Mittlerweile dümpelten schon reichlich Boote, fast nur Segler, an dem Warteplatz. Alle hatten ihre Funkgeräte eingeschaltet und alle warteten nur auf die erlösende Mitteilung: „Sportboote können jetzt einfahren“. Endlich kam eine Mitteilung der Schleusenwärter: „Nach dem Güterschiff … können die Sportboote einfahren.“ Das Güterschiff war zwar noch gar nicht in Sicht, aber es setzte schon der allseits bekannte Herdentrieb ein. An der Wartestelle wurden die Päckchen aufgehoben, die Leinen gelöst und man machte sich auf den Weg zur Schleuseneinfahrt. Die Lethargie an der Wartestelle war urplötzlich durch Hektik abgelöst. Dies änderte sich aber bald wieder, denn via Funk meldete sich die Schleuse: „Nach dem Güterschiff … fährt zuerst … und dann … ein. Die Sportboote passen nicht mehr. Wir machen dafür danach eine Extraschleusung.“ Also wieder zurück zur Wartestelle, Boot festmachen, andere Boote wieder längsseits im Päckchen anlegen und weiter warten. Aus Hektik wurde wieder Lethargie.  Um 16:50 konnten wir dann endlich in die Schleuse einfahren. Die Schleusung selbst war bereits nach 20 Minuten beendet und wir waren auf der Ostsee in der Kielerbucht. Fast fünf Stunden warten vor der Schleuse hatte natürlich unseren Tagesplan komplett durcheinander geworden. An einer Weiterfahrt bis Schleimünde war jetzt nicht mehr zu denken, das würden wir bei Tageslicht nicht mehr schaffen. Also Plan B aus der Tasche gezogen: wir fahren bis Laboe. Unsere erste Fahrt auf der Ostsee dauerte so nur etwa 50 Minuten und wir liefen in die Marina in Laboe ein.   Nach einer ruhigen, erholsamen Nacht wurden wir früh wach. Ein Blick aus dem Fenster bestätigte die Wetterprognose des Vortages: ruhiges, sonniges Wetter, schwachwindig. Da bekanntlich der frühe Vogel den Wurm fängt, standen wir auf und machten uns auf den Weg in die Schlei. Um 6:30 waren die Leinen los und wir nahmen zuerst Kurs auf den Leuchtturm Kiel. Wir befanden uns somit auf dem Kiel-Oslo-Kurs. Kurz nach passieren des Leuchtturms war nun der Kurswechsel auf Nord-Nord-West (genauer 330°) angesagt, es ging nun in Richtung Flensburg (dies ist der Kiel-Flensburg-Weg). Diesen Kurs nahmen wir ca. 2 Stunden. Es war schon ein bisschen gewöhnungsbedürftig: egal wohin man guckte, es war kein Land in Sicht. Als wir den Wegpunkt 1040 unserer Seekarte erreichten, war der nächste Richtungswechsel notwendig. Der Kurs war nun 279° und führte uns direkt nach Schleimünde. Ab hier ist die Fahrrinne der Schlei wieder ausgetonnt. „Fahrrinne“ ist dabei zum Teil wörtlich zunehmen, da das Fahrwasser an manchen Stellen nur wenige Meter breit ist und es daneben zum Teil extrem flach ist. Der Spruch „da gehen die Möwen spazieren“ ist ernst zu nehmen!   In Schleimünde haben wir dann bereits die Ostsee nach 3,5 Stunden „Hochseefahrt“ wieder verlassen. Es war eine Fahrt bei fast Windstille und demzufolge ohne Wellen. Solch ein ruhiges Wasser hatten wir nicht zu hoffen gewagt. Während der ganzen weiteren Tour haben wir übrigens nie mehr solch eine ruhige Ostsee erlebt. Ab Schleimünde heißt die Ostsee dann Schlei, im Grunde ist dies ein Ostseefjord. Nach einer Stunde Schleifahrt hatten wir dann auch die Klappbrücke in Kappeln hinter uns gelassen und fanden beim ASC (Angelner Segelclub), direkt hinter der Klappbrücke, einen Liegeplatz für die nächsten Tage. zurück zurück