HoKo on Tour 2017 
zurück zurück Heute wollten wir den kurzen Trip unter die Fehmarnsundbrücke hindurch nach Großenbrode machen. Für diese ca. 26 Km war eine Fahrzeit von 2,5 Stunden geplant.  Als wir aufstanden schien bereits die Sonne und der Wind aus östlichen Richtungen war nur schwach, also beste Bedingungen für die Fahrt, so dachten wir zumindest. Das Frühstück war bald genossen und schon hieß es „Leinen los“. Kurz nach Verlassen des Hafens nahmen wir Kurs auf Fehmarn. Wind und Welle waren jetzt zwar vorhanden, aber nicht problematisch. Vor  Fehmarn erfolgte dann der Kurswechsel in Richtung Fehmarnsundbrücke. Hier waren nun zwei Dinge zu bemerken: erstens hatten wir im Sund eine Gegenströmung von ca. 2Km/h und zweitens wurde der Wind stärker und damit die Wellen höher.  Nach der Brückendurchfahrt mussten wir dann Kurs Süd-West legen, um den Hafen von Großenbrode zu erreichen. Kurs Süd-West und stärker wehender Wind aus Süd-Ost, das war keine gute Kombination. Die Wellen wurden größer und kamen genau von der Seite. Aus den gedachten „besten Bedingungen“ beim Aufstehen wurden nun erlebte schlechteste Bedingungen. Die Schaukelei wurde so unangenehm und Gisela wurde immer stiller, der beste Beweis, dass ihr überhaupt nicht wohl war. Ich fing nun an, um unsere geplante Route herum zu kreuzen, so dass der Wind mal von schräg hinten und dann wieder von schräg vorne kam. Immer genau auf die Wellenabstände achtend, um die Richtungsänderung zwischen zwei Wellenbergen zu schaffen. Die erhoffte gemütliche Fahrt war also sehr ungemütlich und aus den geplanten 2,5 Stunden wurden fast 4 Stunden, bis wir den Großenbroder Binnensee erreichten und bei der Yachtwerft Klemens einen Liegeplatz fanden. Anschließend war erst einmal „erholen“ angesagt.  Von unserem Liegeplatz aus sahen wir, dass die Wellenhöhe noch weiter zugenommen hatte, der Wind brauste weiter auf. Anscheinend war es das ideale Wetter zum (Kite-) surfen. Binnen kurzer Zeit war der Binnensee fest in Hand der Kite-Surfer.  Wir gingen noch zum Strand und schlenderten die Promenade entlang bis zur Seebrücke. Die Sonne schien vom blauen Himmel herab und der Wind blies weiterhin kräftig. Die Promenade mit den angrenzenden Pensionen/Hotels strahlen übrigens den Flair der 70-er, wenn nicht sogar der 60-er Jahre aus. Irgendwann wird auch hier ein Investor auftreten und mit der (Um-) Bauerei beginnen, die Preise werden dann sicher steigen.  Während eines ausgiebigen Frühstücks, ich hatte frische Brötchen im Strandcafé gekauft, hörten wir im Wetterbericht „Westwind der Stärke 3-4“. Westwind klang gut in unseren Ohren, denn wir wollten nach Grömitz und dann wäre Westwind ein ablandiger Wind (vom Land kommend), der keine hohen Wellen erzeugt. Stärke 3-4 klang dann jedoch nicht mehr so gut. Was wir aber in den vergangenen Wochen gelernt hatten war „das Wetter und speziell Wind und Welle werden selten so, wie es der Wetterbericht vorhersagt“. Es ist immer eine gute Übung, die eigene Nase mal in den Wind zu stecken. Wir gingen also nach dem Frühstück zum Strand, um uns ein eigenes Bild zu machen. Westwind war richtig, Stärke 3-4 könnte auch so hinkommen. Was aber war mit der Wellenhöhe? Ich hatte sogar das Fernglas mitgenommen, um zu sehen, was denn weiter auf See wäre. Was ich draußen sah war, genau das gleiche wie hier am Strand: keine Wellen, die See war spiegelglatt. Die Entscheidung war schnell getroffen: wir fahren gleich weiter.  Wieder an Bord haben wir sofort die Leinen gelöst und uns auf den Weg gemacht. Parallel zur Küste fuhren wir südlich bis Dahmeshöved und dann südwestlich weiter bis nach Grömitz. Unser Eindruck in Großenbrode war absolut richtig, es war nämlich bis Dahmeshöved fast spiegelglatt. Erst dann hatten wir kleine Wellen von vorne bis wir den Yachthafen Grömitz erreichten, mit 780 Liegeplätzen nur wenig kleiner als Heiligenhafen. Zwar hatten wir keinen Liegeplatz reserviert, was sogar online möglich ist, aber wir fanden schnell einen freien Platz. Der Hafen ist durch einen großen Steinwall gut geschützt vor Wind und Welle, man liegt dort sehr ruhig. Dies war übrigens der erste Hafen an der Ostsee, in dem auch Motorboote in größerer Zahl zu finden waren.  Das Hafenbüro war schnell gefunden und die Liegegebühr bezahlt. Wir schlenderten dann gemächlich die Promenade entlang, vorbei an der Seebrücke bis zum Hundestrand, hier endete die Promenade. Der Sandstrand auf der einen Seite war sehr gut besucht, es gab kaum freie Plätze zwischen den unzähligen Strandkörben. Die andere Seite war mit vielen kleinen Geschäften, Imbissbuden, Eisdielen und Kiosken  für das leibliche Wohl bestens gerüstet. Übrigens war selbst der Hundestrand mit Strandkörben gut versorgt, allerdings haben wir keinen Hund im Korb gesehen. Nur „Herrchen“ und „Frauchen“ ließen sich die Sonne auf den Pelz braten, die Hunde selbst tollten friedlich durch den Sand.  Für die nächsten 1,5 Tage machte sich dann die Sonne rar, was man von dem Regen leider nicht sagen kann. Wir nutzten die kurzen Regenpausen, um Spaziergänge in der Nähe des Hafens zu machen.  Von Grömitz bis Neustadt war es etwas über 1 Stunde wind- und wellenfreie Fahrt. Die riesige Ancora-Marina haben wir sprichwörtlich links liegen gelassen und sind weiter in den Stadthafen gefahren. Die Erkundung der kleinen Stadt dauerte nicht lange. Der Weg am langgezogenen Stadthafen war ein schöner Spaziergang, am Marktplatz war ein nettes Café und das war es schon. Ruhe kann man hier noch genießen, Hektik scheint es in dieser Stadt nicht zu geben. Wir haben noch eine längere Radtour in Richtung Pelzer Haken und weiter am Strand entlang gemacht, bevor wir dann „über die Dörfer“ wieder Richtung Hafen gefahren sind. Der nicht weit entfernte, bekannte Freizeit- und Familien-Hansa-Park lag nicht auf unserer Route. Dies haben wir aber auch nicht bedauert.   Seit wir in der Marina in Wendtorf waren, hatten wir uns vorgenommen, jeden Hafen bis Travemünde anzulaufen. Jetzt fehlte uns nur noch Niendorf, zwischen Timmendorfer Strand und Travemünde gelegen, und nur 13 Km Luftlinie von Neustadt entfernt. Es war bewölkt aber trocken und es war auch nur schwach windig. Von unserem Liegeplatz konnten wir in die Lübecker Bucht hineinsehen, es waren kaum Wellen zu erkennen. Das war für uns das Signal. Die Leinen waren schnell gelöst und wir fuhren die gut betonnte Fahrrinne Richtung See. Nach dem letzten Tonnenpaar hielt ich mich wieder steuerbord, um in Ufernähe zu bleiben. Plötzlich meinte Gisela, bei diesem Wetter könnten wir auch quer durch die Bucht fahren. Es gab tatsächlich kaum Wellen und diese kamen auch noch genau von vorne, also in unserem Schiff kaum zu merken. Außerdem konnte man Niendorf ganz weit hinten schon erahnen. Nun mir sollte dies nur recht sein. Die früher einmal geplante Route quer durch die Bucht hatte ich schnell wieder gefunden und so fuhren wir nicht mehr ufernah nach Niendorf.  In der Hafeneinfahrt konnte ich sehen, dass beim Niendorfer Yachtclub, ein Segelverein, noch freie Liegeplätze waren. Ein kurzer Anruf beim Hafenmeister und wir hatten für die nächsten vier Nächte eine Unterkunft gefunden. Es war noch keine 12 Uhr, früh genug um noch den Ort ein bisschen kennenzulernen, aber zu spät für eine längere Radtour. Diese haben wir am nächsten Tag nachgeholt. Über Timmendorfer Strand, Scharbeutz, Haffkrug bis kurz vor Sierksdorf sind wir geradelt. In Scharbeutz tröpfelte es leicht, also haben wir eine kurze Pause in einer Eisdiele gemacht. Das Tröpfeln hielt  glücklicherweise nicht lange an und wir konnten bald weiterfahren.  Einen Tag später wollte ich gar nicht aufstehen. Es fing in der Nacht an zu regnen und es regnete morgens immer noch. Es regnete auch mittags noch (aufgestanden war ich morgens trotzdem). Es regnete bis zum frühen Nachmittag. Endlich hörte es auf. Wir sind dann bis zum Timmendorfer Strand gelaufen und haben dort in einem Straßencafé noch freie Sitzplätze ergattert. Bei Kaffee und Kuchen haben wir entspannt das Treiben um uns herum beobachtet.   Von Niendorf bis Travemünde ist es nicht weit. Dort ging so langsam die Travemünder Woche ihrem Ende entgegen. Wir hatten Zweifel, ob wir bei solch einem Großereignis einen Liegeplatz in Travemünde finden würden. Deshalb statteten wir der Stadt einen Besuch per Fahrrad ab. Menschengewimmel ist für uns nicht gerade anziehend, auch nicht in Travemünde. Die Hafengegend quoll vor Menschen förmlich über. Man wurde durch die Budengassen geschoben, das hat keinen Spaß gemacht. Also haben wir uns bald auf den Rückweg gemacht und sind nun immer am Ufer bzw. Steilufer entlang gen Niendorf gefahren. Im Erlebniscafé Herrmanshöhe haben wir Rast gemacht und uns gestärkt. Ich weiß nicht, warum dies ein Erlebniscafé ist. Ich weiß jetzt aber, dass der Blick von der Terrasse des Cafés einfach traumhaft schön ist, also doch ein Erlebnis. Kurz darauf ging es weiter entlang dem Ufer zum Niendorfer Strand und zum Boot. Trotz des Getümmels in Travemünde war es doch ein schöner Tag.  Das Travemünder Erlebnis hatte uns dazu bewogen, nicht in Travemünde zu übernachten. Stattdessen sind wir bei Sonne und leichtem Wind aus Niendorf in Richtung Travemünde aufgebrochen. Um 10:15 Uhr hatten wir dann Travemünde erreicht und verließen die Ostsee, unser Ostsee-Törn war beendet. Wir, die Berliner Binnenschiffer waren nun wieder auf einem Binnengewässer und fuhren die Trave bergauf bis nach Lübeck. Der Lübecker Motorboot Club war dann unser Gastgeber für ein paar Tage. zurück zurück

Heiligenhafen - Lübeck