Lübeck - Brandenburg

HoKo on Tour 2017 
zurück zurück Beim ruhig, aber doch zentralnah gelegenen Lübecker Motorboot Club blieben wir für zwei Tage. Wir gingen in die Innenstadt und sahen uns das Rathaus, den Dom und das Buddenbrookhaus (nur von außen) an, auf das berühmte Holstentor verzichteten wir, da wir es von einem früheren Besuch Lübecks bereits kennen. Lübeck ohne Marzipan geht natürlich gar nicht. Wir besuchten das Marzipan-Speicher-Café an der Untertrave und Gisela konnte natürlich nicht widerstehen. Unsere Marzipanvorräte dürften nun bis zum Ende des Jahres reichen. Am Stadtgraben entlang schlenderten wir dann zum Boot zurück.  Am nächsten Tag war nach dem Einkaufen nur noch faulenzen angesagt, was wir auch problemlos bis zum späten Nachmittag schafften. Wie wollten nämlich noch den Hafenmeister auf seinem Gastronomie-Schiff einen Besuch abstatten und uns dort bei einem Glas Bier für den netten Aufenthalt bedanken.  Von Lübeck führte der Weg nun durch den Elbe-Lübeck-Kanal. Die Schleusen Büssau, Krummesse, Berkenthin und Behlendorf waren in kurzer Zeit passiert, lediglich Donnerschleuse, die letzte Schleuse des Tages,  zwang uns zu einer längeren Pause. Nach 50 Minuten war aber auch dies geschafft und so näherten wir uns dem Tagesziel Mölln. Bei unserer  Abfahrt in Lübeck strahlte die Sonne noch herrlich, nun aber, kurz vor dem Ziel, zog der Himmel sich immer mehr zu, es sah nach Regen aus. Wir erreichten den Yachthafen Mölln noch vor den ersten Tropfen und fanden noch einen Liegeplatz am Längssteg. Das Boot war kaum festgemacht, da kam auch schon der erste Schauer herunter. Glücklicherweise klarte es nach einer Stunde bereits wieder auf, so dass wir die (Till) Eulenspiegelstadt Mölln noch aufsuchen konnten.  In der Nacht hatte es wieder geregnet und auch beim Aufstehen tröpfelte es noch etwas. Bis zu unserem Tagesziel Lauenburg waren es nur ungefähr 35 Km, wir hatten also keine Eile. Entsprechend ausgiebig und gemütlich war also das Frühstück. Im Radio hörten wir, dass im Laufe des Vormittages der Regen aufhören sollte, unsere gute Stimmung wurde immer besser. Es dauerte auch nicht lange und wir merkten, dass der Regen deutlich nachließ. Es tröpfelte so wenig, man brauchte noch nicht einmal einen Scheibenwischer. Also machten wir die Leinen los und legten ab. Nach 10 Minuten war es dann absolut trocken. Im Nachhinein kann ich nun sagen, dass diese 10 Minuten „Regenfahrt“ die einzige Fahrt bei Regen in der ganzen Saison war. Demzufolge haben wir auch bei keiner Schleuse Regen gehabt, so etwas haben wir, seit wir ein Boot besitzen, noch nie erlebt!  Die Schleusen Witzeeze und Lauenburg waren schnell absolviert und so erreichten wir die Marina Lauenburg bereits um 14:45 Uhr. Für eine Nacht blieben wir hier. Über die Marina selbst möchte ich nichts sagen, nur ein kleines Statement: eine zweite Nacht werden wir hier nie mehr verbringen.  Die Stadt Lauenburg, genauer die Altstadt, hatten wir von der Wasserseite ja bereits auf unserer Fahrt nach Hamburg gesehen. Nun nahmen wir die Gelegenheit war und spazierten durch die Straßen der Altstadt. Es war zwar alles sauber und (fast) alles in Ordnung, aber die Stadt hat keinerlei Ausstrahlung. Vom Wasser sah die Stadt schöner aus.  Wir verließen die Marina bereits um 7:45 Uhr und waren kurz darauf auf der Elbe. Es ging wieder elbabwärts Richtung Hamburg, allerdings nur für 4,5 Kilometer bis zur Einfahrt in den  Elbe-Seitenkanal. Nach acht Kilometern einsamer Kanalfahrt erreichten wir das Hebewerk Lüneburg. Vor dem Hebewerk angekommen sahen wir erst einmal ein Boot der Wasserschutzpolizei, jedoch keinen Sportbootanleger. Wo sollten wir warten? Sich längs an die WaPo zu legen, ist keine gute Idee. Es war aber noch ein kleiner Anleger für Kajaks und Paddelboote zu sehen. Der war zwar nicht für uns gedacht, aber ich habe es trotzdem geschafft, unser Boot dort hinzulegen. Die Leinen hingen quer hinüber zu einem Treppengeländer, aber wir waren zumindest fest. Es dauerte nicht lange und wir bekamen Besuch. Die WaPo kam mit einem Auto angefahren und machte uns unmissverständlich darauf aufmerksam, dass wir an diesem Anleger nicht bleiben können. In meinem Kopf zählte ich schon die Euros, die ich wohl gleich berappen musste. Meinen Fehler eingestehend versuchte ich mich noch herauszureden „kein Sportbootanleger gesehen…“ und „wir legen hier sofort ab“. Der Polizist sagte nur: „vor unserem Boot an der Spundwand können Sportboote festmachen“ unterbrochen wurde er dabei von einer Durchsage aus seinem Funkgerät. Wir hatten Glück, er wurde gerufen und musste weg, auf ein Knöllchen verzichtete er. Wir machten auch, dass wir wegkamen und legten dann an der Spundwand an (dabei mag ich Spundwände nicht). Nach 65 Minuten durften wir endlich einfahren. Wir waren noch nie in einem Hebewerk und dementsprechend waren wir neugierig. Wir machten das Boot fest und harrten der Dinge die nun kommen würden. Nun, zuerst passierte gar nichts. In der Ferne sah ich noch zwei Sportboote kommen und auf diese warteten wir anscheinend. Kaum waren die beiden eingefahren, wurde das Tor geschlossen und der Trog wurde langsam 38m hoch gezogen. Nach 20 Minuten waren wir oben. Solch ein Hebewerk ist schon sehr imposant, und einfacher zu „fahren“ als eine Schleuse, zumal wenn die Schleuse nicht über Schwimmpoller verfügt (an Schwimmpollern kann man ein Boot festmachen und muss während der Schleusung die Leinen nicht nachführen, im Prinzip also wie beim Hebewerk).  Mit unserer normalen Reisegeschwindigkeit fuhren wir weiter bis zum Yachthafen Uelzen, der nur durch eine kleine Einfahrt mit dem Kanal verbunden ist. Telefonisch hatte ich bereits von Lauenburg aus einen Liegeplatz reserviert. Überrascht war ich, in dem Yachthafen Schwimmstege vorzufinden. Im Binnenbereich und an Kanälen sind fast immer nur feste Stege vorhanden, da die Wasserstände nur wenig schwanken. Aber bald sollten wir den Grund selbst merken. Ein gewerbliches Güterschiff fuhr durch den Kanal. Durch den Sog zog es (viel!) Wasser aus dem Hafen, um es anschließend durch den Schwall wieder in den Hafen hinein zu drücken. Der Wasserstand im Hafen schwankte - in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit der Schiffe im Kanal - um mehr als 0,5m. Jetzt war uns klar, warum hier Schwimmstege waren.  In Uelzen gibt es einen Bahnhof, den Gisela unbedingt sehen wollte. Wir blieben deshalb zwei Tage im Yachthafen und fuhren am nächsten Tag mit dem Fahrrad zum Bahnhof Uelzen. Hier ist das letzte Werk des Wiener Künstlers Friedensreich Hundertwasser, es wurde im Rahmen der Weltausstellung Expo 2000 als Hundertwasserbahnhof Uelzen eingeweiht. Es waren sehr viele  Menschen zu sehen und die meisten kamen, um sich den Bahnhof anzusehen, nicht jedoch um zu verreisen. Ein Bahnhof als Touristenattraktion.  Bei Sonne und leichtem Wind haben wir die nächste Etappe in Angriff genommen. Bis zur Schleuse Uelzen war es nicht weit. Per Funk hatten wir schon erfahren, dass wir mit einer längeren Wartezeit - es wurde eine Stunde - rechnen mussten. Das Schleusen und die Weiterfahrt nach Wittingen waren dann wieder ohne irgendwelche Vorkommnisse, also ruhig und gemütlich.  Im Wittinger Sporthafen hatten wir schnell einen Liegeplatz gefunden. Die Einfahrt vom Kanal ist relativ schmal, dafür ist aber auch Sog und Schwall viel weniger zu merken als in Uelzen. Der Hafenmeister scheint auch der Betreiber der angrenzenden Hafenklause zu sein. Wir bezahlten unser Liegegeld und studierten die Speisekarte. Hausspezialität Spare Ribs wurde angeboten, darauf hatte ich Appetit. Unser Motto war nun: Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in (nein, nicht Wienerwald) die Hafenklause. Beide bestellten wir ein Wittinger Bier und Spare Ribs. Kurz darauf wurde serviert: 2 Teller randvoll mit Spare Ribs, Bratkartoffeln und Sauce, ein Teller für die Knochen und als Krönung: 2 Plastikschürzen. Der Wirt sah unsere Blicke und meinte nur: „die Schürzen braucht ihr wegen unserer Sauce, wenn ihr die auf eure Sachen kleckert, kriegt ihr das nicht mehr raus, nur noch mit der Schere.“ Sicherheitshalber zogen wir uns die Schürzen über und fingen an zu essen. Die Spare Ribs waren sehr lecker, auch mit der Sauce. Und wie wir aussahen, kann man im Bild sehen.  Auf der anderen Seite des Kanals ist der (Güter-) Hafen Wittingen mit einer Bootstankstelle, an der auch Sportboote tanken können (oder dürfen). Zwar zeigte unsere Tankanzeige noch einen halbvollen Tank an, aber wenn man schon die Gelegenheit hat, sollte man sie nutzen. Erst recht wenn der Liter 1,25€ kostet und nicht 1,55€ wie in Rendsburg. Der Tankwart ließ den Diesel schnell laufen und nach 197 Litern machte es „schwupp“ und der Überlauf reichte nicht mehr aus, Diesel war im Wasser. Gisela holte das Spülmittel aus der Küche und sprühte reichlich davon ins Wasser. Spülmittel ist ein probates Mittel gegen Diesel- oder Benzinschleiern im Wasser (hatten wir früher schon an anderen Bootstankstellen gesehen). Ich hoffe, dass der Tankwart bei anderen Sportbooten den Diesel langsamer laufen lässt, damit nicht wieder so eine Schweinerei passiert.  Die Weiterfahrt war unspektakulär. Wir fuhren bis zum Ende des Elbe-Seitenkanals und bogen dann in den Mittellandkanal (MLK) ein, den wir letztes Jahr bereits gefahren sind. Die Schleuse Sülfeld war nach 45 Minuten genommen und so erreichten wir den Yachthafen in Wolfsburg bereits um 16:15 Uhr.   Auf einen Stadtbummel hatten wir keine Lust, wir waren ja schon mehrfach in Wolfsburg. Allerdings sind wir noch zur Autostadt gegangen, sie liegt direkt neben dem Hafen. Das Gelände ist als Park angelegt und sehr schön. Die Ausstellungen der Autostadt schließen um 18:00 Uhr, aber das Gelände/der Park bleiben auch danach geöffnet und dann muss kein Eintritt mehr bezahlt werden! Wann die Gastronomie schließt, weiß ich nicht mehr, wir haben aber noch etwas essen können.  Von Wolfsburg ging es weiter nach Haldensleben, darüber gibt es nichts zu berichten. Von Haldensleben war dann die letzte Etappe auf dem MLK zu bewältigen. Die Sonne schien, es war sehr warm und es blies nur ein schwacher Wind. Wir freuten uns schon auf den Nachmittag, denn wir wollten nach langer Zeit mal wieder eine Nacht auf dem See verbringen. Zuerst mussten wir aber noch das Wasserstraßenkreuz Magdeburg passieren und an der Schleuse Hohenwarthe den MLK verlassen.  Der MLK wird hier in einem Trog über die Elbe geführt. Vor dem Trog existiert eine Sportbootwartestelle, da der Trog immer nur in einer Richtung befahren werden darf. Kurz vor Eintreffen an der Wartestelle rief ich via Funk an, um uns anzumelden. Es gab keine Antwort. Dies wiederholte sich dreimal, jedes Mal keine Antwort. Im Trog sah ich ein kleines Motorboot in Richtung Schleuse fahren, also bin ich einfach hinterher gefahren. Das heißt, ich wollte hinterherfahren. Kurz bevor ich den Trog erreichte, wurde das Signal geändert. Man zeigte mir nun doppelt rotes Licht, die Einfahrt für mich war gesperrt. Also das Boot gewendet und zurück zur Sportbootwartestelle. Dort lagen bereits zwei andere Boote, wir machten dahinter fest. Die Gelegenheit war günstig, es würde nun etwas dauern, ich ging also zur Toilette. Kurz darauf hörte ich Gisela und einen Mann diskutieren. Auf den ersten Blick sah ich, wer dort stand und wusste auch sofort was er wollte. Die Wasserschutzpolizei war mal wieder mit dem Auto gekommen. Auf den Videokameras hatte man uns gesehen und man war der Meinung, wir hätten uns verkehrswidrig verhalten. Wir hätten an der Wartestelle anhalten und die Aufforderung zur Weiterfahrt abwarten müssen. Jetzt wollte man erstmal die Papiere kontrollieren. Natürlich waren die Papiere alle ordnungsgemäß, da gab es nichts zu beanstanden. Dann kam wieder das Thema „Anrufen per Funk und Weiterfahren“ dran. Ich zeigte mich einsichtig und der Polizist nahm es anscheinend zufrieden auf. Er redete noch eine Weile zu uns, speziell zu mir, und kam dann endlich zum entscheidenden Punkt. „Ich will es hiermit bei einer offiziellen Belehrung belassen. Gute Fahrt noch“. Und leiser sagte er noch zu mir „damit haben Sie 75€ gespart“. Ich bedankte mich nur noch und sagte, dass ich für das Geld lieber mit Gisela Essen gehe.  Kurz darauf durften die Sportboote die Wartestelle verlassen und in den Trog einfahren. Vor der Schleuse warteten wir noch die ausfahrenden Schiffe ab und fuhren anschließend in die Schleuse ein. 20 Minuten später hatten wir den MLK verlassen und waren nun auf der Elbe-Havel-Wasserstraße. Bis zu unserem Ziel, dem Niegripper See, war es nicht mehr weit.  Die Nacht auf dem See war sehr angenehm, es ging kaum ein Wind. Dementsprechend war der See spiegelglatt und es gab keine Wellen die nachts am Schiffsrumpf plätschern. Morgens sind wir erst spät aufgestanden. Es war bereits 11:00 Uhr als wir uns auf den Weg nach Genthin machten. Via Funk rief ich die Schleuse Zerben, um uns zur Schleusung anzumelden. Prompt kam die Antwort, dass die Gegenschleusung gerade läuft und wir anschließend dran wären. Das klappte ja prima. Jetzt wussten wir auch, dass unser Funkgerät in Ordnung war. Wegen des Theaters gestern hatten wir nämlich schon befürchtet, dass unser Funkgerät einen Defekt hat. Die Gegenschleusung dauerte doch etwas länger und so erreichten wir Genthin erst um 15:15Uhr.  Letztes Jahr waren wir in Genthin durchgefahren, diesmal wollten wir hier übernachten. Wir bemerkten bereits bei der Einfahrt in den Ort, dass sich hier gegenüber dem letzten Jahr viel verändert hatte. Die Uferbefestigungen sahen ganz neu aus. Wir fuhren an einem Discounter vorbei und hier war sogar eine Anlegestelle für Sportboote vorhanden, ein Parkplatz für Boote, schön. Kurz dahinter stand ein Hinweisschild für den Sportboothafen „Stadt Genthin“. Das war unser Ziel.  Am Hafen angekommen guckten wir uns erstaunt an. Der groß angekündigte Sportboothafen entpuppte sich als sehr kleiner, sehr enger Hafen. Es passten mal gerade zehn Boote hinein und neun waren bereits da. Wenden im Hafenbecken, war nicht möglich. Rückwärts in die letzte freie Box in der Mitte des Hafens, war nicht möglich. Also schlichen wir vorwärts in die Box, was unter kräftiger, mehrfacher Mithilfe von Bug- und Heckstrahlruder auch gelang. Wie sollten wir hier wieder rauskommen? Hinter uns an der Hafenmauer sah ich zwei große Boote liegen, Gastlieger aus Holland wie die Flaggen verrieten. Ich hoffte, dass die Beiden nächsten Tag auch weiter fahren wollten.  Sicher im Hafen liegend machten wir uns auf den Weg zum Discounter. Unsere Vorräte mussten dringend ergänzt werden. Abends wollten wir fernsehen, aber es blieb beim „wollten“. In Genthin befindet man sich, zumindest was terrestrisches Fernsehen angeht, im Tal der Ahnungslosen. Es waren genau 0 Sender, in Worten NULL, zu empfangen. Armes Genthin.  Morgens beim Frühstück hörten wir dann Motorengeräusche. Ein Blick nach hinten und meine Gesichtsausdruck wurde immer entspannter. Die beiden Holländer hinter uns hatten ihre Maschinen angeworfen und machten sich startklar. Wir konnten nach dem Frühstück problemlos aus der Box herausfahren. Bei starker Bewölkung schleusten wir in rekordverdächtiger Zeit in Wusterwitz und waren bereits um 12:30 Uhr in Brandenburg im Hafen Packhofufer direkt zwischen der Jahrtausendbrücke und dem historischen Hafen. zurück zurück