Brandenburg - Berlin

HoKo on Tour 2017 
zurück zurück Diesen Hafen Packhofufer in der Brandenburger Niederhavel hatten wir letztes Jahr bei einer Radtour durch die Stadt Brandenburg gesehen. Während letztes Jahr kein einziges Boot in dem Hafen lag, waren diesmal die meisten Plätze belegt. Wir fanden aber noch eine Box für unsere Größe und legten mit dem Heck zum Steg an. So konnten wir bequem ein- und aussteigen. Der Hafenmeister kam vorbei, gab uns einen Schlüssel für die Sanitäranlage (alles neu, alles OK) und einige Tipps für die nähere Umgebung (Bäcker, Fleischer, Gastronomie). Hat man auch nicht immer, ist aber ein guter Service.  Unsere Vorräte hatten wir in Genthin bereits aufgefüllt,  Giselas Wunschtee (Grüner Tee mit Ingwer und Zitrone) war dort aber nicht zu bekommen. Diesen Tee gibt es nur im Bio-Laden, dies sind meiner Meinung nach die Geschäfte, wo es unabhängig von der Produktqualität nur hochpreisige Waren gibt. Wir suchten also einen Bio-Laden.  Über die Hauptstraße gingen wir in Richtung Innenstadt und waren nach kurzer Zeit am Fritze Bollmann Brunnen (lt. wikipedia ein Brandenburger Original). Einen Bio-Laden hatten wir bisher nicht gesehen, aber wir standen direkt vor dem Café Kaffeekränzchen. Der Name klingt gut, der äußere Eindruck war gut, die Speisekarte war verlockend, also hinein und staunen. Ich habe noch nie ein Café gesehen, in denen den Gästen so viel Platz geboten wird. Endlich mal nicht „Backe an Backe“ mit dem Nachbarn sitzen. Wir sahen Gäste, die in Büchern stöberten. Wir sahen Gäste, die sich angeregt unterhielten. Und wir sahen noch einen freien Tisch, den wir sofort einnahmen. Wir haben dort eine ruhige, gemütliche, stressfreie Stunde bei Kaffee und sehr leckerem Kuchen verbracht. Kaffeekränzchen, bei unserem nächsten Besuch werden wir auf jeden Fall wieder einen Abstecher zu euch machen.  In der Nähe des Bahnhofs gab es einen Bio-Laden (lt. Kaffeekränzchen-Mitarbeiterin), den wir nach auch bald gefunden hatten. Um meinen Eindruck mal diplomatisch auszudrücken: Die Präsentation der Waren war stark verbesserungswürdig, die Ausstrahlung des Geschäfts erinnerte an einen Tante-Emma-Laden kurz vor der Geschäftsaufgabe. Die Preise, ja das waren Bio-Preise! Und nun das Gute: wir bekamen den Tee.  Zurück beim Boot war es nun Zeit, die Füße hochzulegen. Im Fernsehen kam ein Krimi. Flugs den Fernseher angemacht und einen Programmsuchlauf durchgeführt. Darin hatten wir schon Übung, denn in fast jedem Hafen mussten wir die Programme neu suchen. Schnell stand fest, das Brandenburg nicht mehr im Tal der Ahnungslosen liegt, es waren alle Programme in bester Qualität zu empfang.  In der Nacht fing es an zu regnen und es dauerte noch bis zum Vormittag bis die Sonne sich zeigte und es angenehm warm wurde. Das Mittagessen gab es im Ristorante Toto auf der anderen Flussseite. Anschließend gingen wir auf Mops-Suche. Wir fanden viele Waldmöpse und fotografierten sie auch. Die Beziehung Loriot - Brandenburg wird sichtbar.  Wieder auf dem Boot machten wir es uns auf der Plicht (der hintere Teil des Bootes, wo man im Freien sitzen kann) bequem. An der Kaimauer, die etwa 5m hoch war, machte es sich eine Familie bequem und stierten ganz unverschämt auf uns runter. Das Grinsen in ihren Gesichtern war nicht zu übersehen. Ich holte mir eine Banane aus der Küche, drehte meinen Sessel vis-a-vis zur Kaimauer, schälte die Banane, biss genüsslich in die Banane und grinste herrlich zurück. Das war einmal Zoo verkehrt. Es dauerte keine Minute und die Familie war nicht mehr zusehen. Wir gönnten uns abends noch ein Eis aus dem Brückencafé am Heineufer, dies ist direkt an der Jahrtausendbrücke, und ließen den Tag ruhig ausklingen.  Das Wetter war gut und wir hatten mal wieder Lust auf See-Übernachtung. Wir verließen Brandenburg und fuhren ca. 12 Km in den Beetzsee. Dort fanden wir eine kleine Bucht, die auf dem ersten Blick ideal war: nicht zu tief, nicht zu flach und abseits der Fahrrinne. Es war ein Tag zum Relaxen. Abends beim Fernsehen war nichts mehr mit Entspannung. Kaum wurde es draußen dunkel, kamen die Mücken. Wir sahen sie am Fenster, Glück gehabt, sie saßen außen. Aber unser Glück dauerte nicht lange. Es war die reinste Mückeninvasion, die wir im Salon erlebten. Fernsehen war nicht mehr, nur noch Mücken jagen. Ich habe allein im Salon mehr als 50 Mücken erlegt. Woher kamen die Viecher? Alle Fenster waren zu oder hatten einen Mückenschutz. Man sah nicht eine Mücke hereinkommen, sie waren einfach da. Woher die Viecher kamen, ist uns bis heute noch ein Rätsel. Nachdem wir dieser Invasion einigermaßen Herr geworden waren, wollten wir nur noch ins Bett. Wieviel Mücken erwarteten uns bereits im Schlafzimmer? Bereit die Jagd fortzuführen, öffnete ich die Tür und, es war nicht zu glauben, das Schlafzimmer war mückenfrei! Wir hatten die Tür zum Schlafzimmer den ganzen Tag geschlossen gehabt, das war vermutlich unser Glück.  Dank des mückenfreien Schlafzimmers haben wir gut geschlafen. Als ich dann morgens vom Salon auf die Plicht ging, machte ich ganz schnell die Tür wieder zu. Mückenalarm auf der Plicht. Ich schlug wie ein Wilder um mich und auf die Mücken ein.  Am Ende war ich der Sieger. Ich lebte noch, auch wenn mich einige Mücken erwischt hatten, die Mücken auf der Plicht aber, die lebten nicht mehr.  Wir konnten dann auf der Plicht, wir sagen immer das sei unser Balkon, frühstücken. Von dieser Gegend hatte ich aber die Nase voll. Wir holten den Anker ein und fuhren bis kurz vor der Regattastrecke auf dem Beetzsee zurück. Hier fanden wir einen Ankerplatz, der weiter vom Ufer und damit auch weiter vom Schilf entfernt war.  Nun war erst einmal „Boot putzen“ angesagt, es waren noch viele Mückenleichen zu entsorgen. Die Tür zum Schlafzimmer haben wir sicherheitshalber den ganzen Tag nicht geöffnet. Den Zugang von unserem Balkon zum Salon haben wir ebenfalls immer geschlossen gehalten. Solch ein Abend wir gestern wollten wir nicht erneut erleben. Als es dunkel wurde, wir saßen bereits im Salon, wuchs unsere Anspannung. Mückenalarm oder kein Mückenalarm, das war hier die Frage. Wir sahen die Mücken förmlich kommen und am Fenster Platz nehmen. Es war wieder eine Invasion da draußen. Aber glücklicherweise nur draußen. Im Salon hatten wir den ganzen Abend vielleicht zehn Mücken, keine überlebte. Das Schlafzimmer war wieder mückenfrei.  Von Mücken hatte ich genug, hier musste ich weg. Weiter gen Berlin zu fahren, hatten wir noch keine Lust. Wir entschieden, ein Stück zurück zum Plauer See zu fahren. Zwei Tage blieben wir auf dem See, Mücken waren hier eine Seltenheit. Allerdings musste ich diesmal 4 Mücken im Schlafzimmer erlegen. Morgens hatte keiner von uns einen Mückenstich, ich hatte sie wohl alle erwischt.  Die Wettervorhersage prophezeite Regen mit Gewitter für den kommenden Tag. Ein Grund für uns, einen Hafen in der Nähe zu suchen. Beim Eisenbahner-Segel-Club in Kirchmöser wurden wir fündig. Ein ruhiger Platz mit Seitensteg, wir konnten also unsere Fahrräder bequem von Bord holen, war unsere Heimat für die nächsten drei Tage. Ausgiebige Radtouren zum Plauer Schloss und durch den Schlossgarten, sowie rund um den Großen Wusterwitzer See standen auf dem Programm.  Die wöchentliche Kontrolle im Motorraum sorgte für eine unangenehme Überraschung. Quer durch den Motorraum zog sich eine Verunreinigung. Es sah aus, als ob von der Welle Dreck hochgeschleudert worden war. Mit den Fingern konnte man fühlen, dass es fettig aber kein Öl war. Weiterfahren oder Mechaniker kommen lassen? Ich machte ein paar Fotos und sandte sie per E-Mail an meine „Haus-“ Werft in Berlin. Diese Mechaniker kennen das Boot, sie machen immer die jährlich notwendigen Wartungen. Nach kurzer Zeit kam die Antwort: dürfte heiß gewordenes Fett geworden sein, ist an der Stelle unschön aber unbedenklich, weiterfahren ist möglich, trotzdem sollte bald die Ursache genauer gesucht werden.   Dank dieser Auskunft haben wir uns dann auf den Weg nach Werder gemacht. Im Yachthafen Scheunhornweg hatte ich einen Platz reserviert. Als wir dort ankamen sahen wir, dass nur ein einziger Platz im ganzen Hafen frei war. Dies war unser reservierter Liegeplatz. In Werder haben wir dann erfahren, dass im Yachthafen Potsdam eine Werkstatt mit Yanmar-Vertretung (wir haben einen Yanmar-Motor) ist. Dort habe ich dann angerufen und einen Termin in zwei Tagen vereinbart. Solange sind wir in Werder geblieben und haben den Ort nach langer Zeit mal wieder zu Fuß erkundet.   In Werder habe ich es dann endlich geschafft, zum Frisör zu gehen. Mitte April war ich das letzte Mal in Berlin beim Frisör, jetzt war es bereits Mitte August. Als ich den Frisör verließ, fühlte ich mich nicht nur wie ein neuer Mensch, ich sah auch so aus.     Der Yachthafen Potsdam war gut besucht. Da wir aber als Havarist galten und einen Termin mit der Werkstatt hatten, bekamen wir noch einen Liegeplatz. Nachmittags kam der Werkstattmeister und ging auf Fehlersuche. Schnell fand er heraus, dass der Schmiermittelaustritt durch zwei gelockerte Schrauben verursacht wurde. Er war der gleichen Meinung wie unsere Haus-Werft: nicht schön aber auch (noch) nicht bedenklich. Da es mittlerweile schon auf 18:00 Uhr zuging, sollte die „Reparatur“ am nächsten Tag durch einen Mitarbeiter durchgeführt werden. Am nächsten Morgen kam kein Mitarbeiter, sondern erneut der Meister. Das notwendige Werkzeug hatte er dabei und 30 Minuten später war wieder alles in Ordnung; selbst die Fett-Verunreinigungen im Motorraum hatte er beseitigt.  Jetzt waren wir bereits in Potsdam, aber wir hatten noch keine Lust nach Berlin zu fahren. Der Liegeplatz war gut und die Nachfrage beim Hafenmeister ergab, dass wir noch weitere drei Nächte dort bleiben konnten. Der Besuch der Innenstadt war eine angenehme Pflicht, die ausgiebige Radtour um Templiner See und Schwielowsee war die Kür. Fast nur am Wasser entlang bis zur Gaststätte Baumgartenbrück an der B1-Berliner Chaussee, über die Havel in Richtung Ferch. Dort haben wir uns den Japanischen Bonsaigarten angesehen. Er ist zwar nicht groß, eher klein, dafür aber sehr sehenswert. Das Landhaus Ferch war anschließend ein guter Platz für eine längere Pause. Der Biergarten lud zu einer Apfelschorle ein (ich sage immer: „Bier erst wenn es dunkel wird“, außerdem waren wir mit dem Fahrrad unterwegs) und in der Speisekarte fanden wir auch Schmackhaftes. Ausgeruht und gut gesättigt fuhren wir weiter nach Caputh zum Einsteinhaus. Wer es noch nicht kennt, hat auch nichts verpasst. Es ist meiner Meinung nach keinen Besuch wert. Parallel zum Wasser führte der Radweg bis zur Havel-Fähre in der Templiner Vorstadt. Wir setzen mit der Fähre über und waren 10 Minuten später beim Boot. Diesen schönen Tag ließen wir abends bei einem Glas Bier ausklingen.  Einen Tag später nahmen wir Abschied von Potsdam und steuerten den Teltowkanal an. Die Schleuse Kleinmachnow ließ uns fast eine Stunde warten, der Güterverkehr hat eben Vorrang. Um 15:10 Uhr erreichten wir den Hafen des PSB24 (Pro Sport Berlin 24 e.V.), unseren ehemaligen Verein. Hier hatten wir einen Liegeplatz reserviert, bis wir mit dem Boot in die Werft fahren wollten.   Unser Abenteuer „Ostsee“ war damit beendet. Nach 102 Tagen waren wir wieder gesund und munter in Berlin angekommen. zurück zurück