Berlin - Szczecin (Stettin)

HoKo on Tour 2018 
zurück zurück Um den normalen täglichen Wahnsinn der Ausflugsdampfer im Bereich Berlin-Mitte zu umgehen, brachen wir bereits morgens um 6:00 Uhr in Grünau auf. Auf das Wetter war anscheinend Verlass, denn es war sonnig und bereits 11 Grad warm.  Ausflugsdampfer waren noch nicht unterwegs, sodass wir an den Schleusen Mühlendamm und Charlottenburg nur minimale Wartezeiten hatten. Das frühe Aufstehen hatte also den erwünschten Erfolg gehabt, denn wir erreichten die Schleuse Spandau bereits kurz vor 10:00 Uhr. Hier wurden wir aber erst einmal von der Berliner Personalplanung ausgebremst, denn „Aufgrund von Personalmangel wird die Schleuse Spandau zur Zeit nur im 1-Schicht-Betrieb bedient. Die erste Schleusung findet um 10:00 Uhr statt.“ Es war also Warten und Hoffen angesagt: Warten bis zur nächsten/ersten Schleusung und gleichzeitig hoffen, dass kein gewerblicher Schiffsverkehr zur Schleuse kommt, da dieser grundsätzlich vor der Sportschifffahrt einfahren darf.  Wir hatten Glück, es ließ sich kein Berufsschiffer sehen. Pünktlich gegen 10:15 Uhr wurde auch die Schleuse in Betrieb genommen und um 10:45 Uhr hatten wir damit alle Schleusen in Berlin geschafft.  Unter Beachtung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit, also mit gemächlichen 10 Km/h, näherten wir uns der Schleuse Lehnitz im Oder-Havel-Kanal. Diese Schleuse kannten wir auch schon von früher und wussten deshalb, dass es hier zu längeren Wartezeiten kommen kann. Beim Erreichen der Schleuse standen auch alle Signale auf rot. Wir legten also an der Sportboot-Wartestelle an und warteten, dass die Schleusung aus der Gegenrichtung durchgeführt wurde.  Bald ging auch das Schleusentor auf und die Schiffe liefen aus der Schleuse aus. Ganz am Ende kam ein Boot der Wasserschutzpolizei (WaPo) langsam aus der Schleuse gefahren. Wir dachten, wir bekämen jetzt grünes Licht für unsere Schleuseneinfahrt, aber die Signalisierung änderte sich nicht: weiterhin rot, Einfahrt in die Schleuse war verboten. Stattdessen sahen wir, dass die WaPo ihr Boot an der Wartestelle festmachte.  Nun versahen die Beamten ihren Dienst. Sie gingen von Boot zu Boot und machten eine allgemeine Verkehrskontrolle. Auch zu uns kamen sie. Ich durfte die Bootspapiere und meine Fahrerlaubnis vorzeigen, selbstverständlich auch die Zuteilungsurkunde der Bundesnetzagentur, um nachzuweisen, dass das eingebaute Funkgerät angemeldet ist, natürlich auch mein UKW-Sprechfunkzeugnis. Alles war im Original vorhanden, alles war in Ordnung. Die Dame drehte sich schon um und wollte gehen, da kam die Frage „Welchen Kanal haben Sie zur Zeit eingeschaltet?“ Geistesgegenwärtig antwortete ich nur „den Schleusenkanal“, womit sie zufrieden war und zum nächsten Sportschiff ging. Kaum waren alle Sportboote überprüft, wurde auch schon das Schleusensignal auf grün gestellt. Wir durften endlich in die Schleuse einfahren.  Die weitere Fahrt bis zur Marina Marienwerder war ganz entspannt. Auch mussten wir uns um Liegeplätze für die Nacht keine Sorgen machen, da wir uns bereits telefonisch angemeldet hatten.  Die Nacht im Hafen war sehr ruhig und wir genossen bei Sonnenschein unser Frühstück auf der Plicht (Dies ist bei unserem Boot der hintere nicht überdachte Teil, auf dem der Steuerstand ist. Wir haben die Plicht mit einem abnehmbaren Verdeck überdacht, sodass wir uns auch bei schlechterem Wetter hier aufhalten können.) Wir  können uns auch nicht so richtig an „Plicht“ gewöhnen und sprechen deshalb einfach immer von unserer „Terrasse“.  Erst gegen 10:30 verließen wir den Hafen mit Ziel Marina Oderberg. Das Schiffshebewerk in Niederfinow erreichten wir gegen 12:45 Uhr. Nach lediglich 30-minütiger Wartezeit konnten wir in das Hebewerk einfahren und nur 20 Minuten später haben wir 36m tiefer das Hebewerk wieder verlassen. Ein Hebewerk ist für uns Bootfahrer so etwas wie in Fahrstuhl, man fährt hinein und später wieder heraus, man muss lediglich das Boot nach der Einfahrt festmachen. In den Schleusen dagegen muss man immer arbeiten, da das Boot nicht festgemacht sondern nur mit Leinen an die Schleusenwand gehalten wird.  Unser Tagesziel, die Marina Oderberg erreichten wir eine Stunde später. Das Wetter hatte sich nach Verlassen des Hebewerks stetig verschlechtert, es wurde windiger und dunkle Wolken zogen herauf. Wir schafften es noch, das Boot im Hafen zu vertäuen, bevor ein kräftiges Gewitter mit reichlich Regen über uns hereinbrach. Mit Abzug des Gewitters hörte auch der Regen auf und wir hatten noch eine ruhige Nacht. Nicht nur die Natur brauchte den Regen dringend, auch unserem Boot tat das Wasser richtig gut. Endlich war der ganze Blütenstaub abgewaschen.   Nach einem ordentlichen Frühstück auf unserer Terrasse machten wir uns bei schwachem Wind und leichter Bewölkung auf den Weg zur Schleuse Hohensaaten. Da die Fahrrinnentiefe in diesem Bereich der Oder immer noch zu gering für uns war, schleusten wir mit der West-Schleuse in die Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße. Nur zwei Stunden später errichten wir Schwedt und legten beim Wassersport PCK Schwedt an.  Das Wochenende nutzten wir, um uns die Stadt etwas anzusehen und eine Fahrradtour durch den Nationalpark zu machen. Die Stadt machte einen gepflegten, sauberen Eindruck. Zum Nationalpark selbst muss man nicht viel sagen, außer: wer ihn nicht besucht ist selber schuld. Wer Natur mag, ist hier bestens aufgehoben.  Bei strahlender Sonne und viel Wind haben wir uns dann auf den Weg zu unserem ersten größeren Etappenziel gemacht: Szczecin (Stettin). Schleusen waren heute nicht zu bewältigen, jedoch hatten wir einen anderen Knackpunkt in den Schifffahrtskarten ausgemacht. In Stettin, kurz vor unserem Ziel, dem neuen Sporthafen im Herzen der Stadt, war eine Brücke mit einer Durchfahrtshöhe von 3,40m verzeichnet. Das war zu wenig für uns, wir müssten dann das Verdeck legen. Allerdings hatten uns Bootsnachbarn in Schwedt gesagt „wir sind da gestern durchgefahren, da war mindestens eine Durchfahrtshöhe von 4m“. Nun, da die Oder ja zurzeit wenig Wasser hatte, könnte da was dran sein, so dachte ich zumindest.  Nach gut 4 Stunden Fahrt, kurz vor dem Ziel, sahen wir die Brücke. Erstaunlicherweise waren an der Brücke 2 Schilder befestigt: 3,40m und 3,70m Durchfahrtshöhe. 3,70m, das würde uns reichen. Vorsichtig tasteten wir uns an die Brücke heran. Gisela stand vorne am Boot und peilte, ob genug Platz war. Mit den Händen zeigte sie mir immer an, wie groß der Abstand bis zur Brücke war. Es reichte, wir mussten das Verdeck nicht legen. Es war sogar noch viel Luft nach oben, die Bootsnachbarn in Schwedt hatten also recht gehabt mit ihren geschätzten „mehr als 4m“. 500m später hatten wir dann den neuen Hafen in der Stettiner City erreicht. zurück zurück