Oderberg - Berlin 

HoKo on Tour 2018 
zurück zurück Wir lösten bereits um 9:00 Uhr morgens die Leinen und legten in der Marina Oderberg ab. Unser Ziel war der Werbellinsee. Somit mussten wir heute das Hebewerk Niederfinow und 2 Selbstbedienungsschleusen im Werbellinkanal (Rosenbeck und Eichhorst) schaffen.  Das Hebewerk kam bald in Sicht und ich meldete uns via UKW-Funk an. Die Antwort des Schleusenpersonals war nicht erfreulich: „Legen Sie bitte an der Sportbootwartestelle an und beachten Sie dort die Signalisierung. Es wird aber einige Zeit dauern.“ Nun, es dauerte mehr als 1 Stunde bis wir endlich in den Trog einfahren konnten. 20 Minuten später konnten wir das Hebewerk wieder verlassen.  Die Fahrt zum Werbellinkanal verlief ruhig, ich wurde aber unruhiger. Ich wusste, dass die Schleusen Rosenbeck und Eichhorst immer nur zur vollen Stunde schleusen. Meine Blicke zur Uhr wurden häufiger, es würde knapp werden. Endlich hatten wir den Oder-Havel-Kanal geschafft und bogen in den Werbellinkanal ein. Die erlaubten 6Km/h schafften wir locker (es war wohl ein bisschen schneller). Da kam die Wartestelle der Schleuse mit dem Bedienteil (damit leitet man eine Schleusung ein) in Sicht. Schnell hin und den Hebel ziehen, unser GPS zeigte 14:00:47 Uhr. Die Anzeige der Schleuse änderte sich auf „Schleusung angenommen. Nächste Schleusung 15:00 Uhr“. Wir waren 47 Sekunden zu langsam, Mist. Ich ärgerte mich, dass ich nicht noch etwas schneller gefahren bin. (Wie wir auf der Rückfahrt merkten, waren wir mehr als zwei Minuten zu spät. Die Uhr der Schleuse ging nicht richtig, so sind wir auf der Rücktour um 09:58 Uhr geschleust worden und nicht um10:00 Uhr.)  Nun war eine Stunde warten angesagt, bis es endlich weiter ging. Zur Schleuse Eichhorst sind wir dann ganz gemütlich gefahren. Die Entfernung war so kurz, dass man diese Schleuse immer vor der vollen Stunde erreicht.  Letztendlich erreichten wir gegen 17:45 die Marina Werbellinsee Eckert, wo wir einen Liegeplatz telefonisch reserviert hatten. Es war ein langer Tag mit viel Warten gewesen, aber wir lagen zufrieden in der Box. Ein Blick ins Wasser genügte, um sich schon auf den Sprung ins Nass zu freuen. Das Wasser war glasklar, das sauberste Wasser, das wir in diesem Jahr zu sehen  bekommen hatten.  In den folgenden Tagen haben wir es genossen, vom Boot aus direkt in das Wasser zu kommen. Es war noch sehr warm und die Abkühlung tat immer gut. Annett und Michael, Freunde aus Berlin, besuchten uns und auch sie wagten den Sprung ins kühle Nass. Außerdem hatten wir viel zu erzählen, sie von ihrem Mauritius-Urlaub und wir von der Tour.  Natürlich waren wir auch wieder mit dem Fahrrad unterwegs, so erneuerten wir unsere zu Neige gehenden Vorräte in Joachimsthal auf.  Unvergessen wird für mich die Radtour zur Schleuse Eichhorst bleiben. Auf dem Weg dorthin machten wir einen Stopp beim Jagdschloss Hubertusstock. Dies war die offizielle Jagdresidenz in der Zeit des Deutschen Kaiserreiches und der Weimarer Republik, was wahrscheinlich die wenigsten Leute wissen. Viel bekannter dürfte sein, dass Hubertusstock diese Funktion „Jagdresidenz“ auch zu Erich Honneckers Zeiten erfüllte. Weiter ging es bis zur Schleuse, wo wir uns im Café Eiszeit ein leckeres Eis gönnten. Zurück hielten wir an der Pizzeria „Am Spring“ und stärkten uns mit einer Pizza. Ja, eine Pizza für uns zwei.  Wir wollten weiter fahren, da merkte Gisela, dass ihr Reifen hinten platt war. Flickzeug bzw. Pannenspray habe ich für solche Fälle in der Seitentasche. Nur, die Seitentasche war auf dem Boot. Dumm gelaufen. Zu Fuß gehen und Rad schieben, das kam nicht in Frage, dafür war der Weg zu weit. Also tauschten wir die Räder (wir haben identische Klappräder). Ich pumpte das Hinterrad auf und fuhr so schnell ich konnte in Richtung Hafen. Immer wenn ich dann merkte, dass das Rad hinten doch sehr schwamm und keinerlei Seitenhalt mehr bot, hielt ich an und die Prozedur begann von vorne: aufpumpen, schnell fahren und kurz vor dem Hinfallen anhalten. Ich schaffte es tatsächlich, so bis zum Hafen zu kommen. Das Rad musste ich nun nicht mehr aufpumpen, dafür war ich ausgepumpt. Für mich war der Rest des Tages gelaufen, nur noch ausruhen. Den Schlauch und den Mantel des Hinterreifens konnten wir nach dieser irrsinnigen Rückfahrt wegwerfen, da war nichts mehr zu retten.  Einen Tag später verließen wir Joachimsthal bereits morgens um 07:40 Uhr, da wir die Schleuse Eichhorst rechtzeitig vor 09:00 Uhr erreichen wollten. Das Wetter meinte es wieder gut mit uns, ein paar Wolken, warm, trocken und kaum Wind. Die Abfahrtszeit war gut gewählt, wir waren rechtzeitig an der Schleuse. Die zweite Schleuse war dann auch kein Problem und so waren wir um 10:30 Uhr wieder auf dem Oder-Havel-Kanal.  Um unser Ziel Oranienburg zu erreichen, mussten wir noch die Schleuse Lehnitz passieren, wegen der häufigen Wartezeiten nicht gerade meine Lieblingsschleuse. Auch heute schlug der Schleusenteufel wieder zu: Ankunft Schleuse 13:00 Uhr – Weiterfahrt 15:45 Uhr. Ich mag diese Schleuse nicht.  Wegen der langen Wartezeit liefen wir den Servicehafen Oranienburg erst um 16:40 Uhr an. Letztendlich waren wir froh, den Hafen überhaupt erreicht zu haben. Hier haben wir zum ersten Mal gemerkt, dass es den ganzen Sommer kaum geregnet hatte. Am Ufer konnte man deutlich sehen, dass der Wasserspiegel ordentlich gesunken war. Den normalen Yachthafen in Oranienburg konnten wir nicht mehr anlaufen, da hier die Wassertiefe an der Hafeneinfahrt auf 1m gesunken war (lt. Hafenmeister).  Nun musste Giselas Fahrrad unbedingt zur Reparatur. Dank Google fanden wir einen Fahrradhändler in der Nähe, der das Rad kurzfristig noch annahm. Nächsten Tag konnten wir es bereits abholen, der Hinterreifen war nun unplattbar (hoffentlich). Der nächsten Radtour – dann aber mit Seitentasche und Pannenspray - stand so nichts mehr im Wege.  Direkt gegenüber des Hafens ist das Schloss Oranienburg mit dem Schlossgarten und mehreren Sportplätzen. Auf den Sportplätzen herrschte ein reges Treiben und Gejohle. Vom Boot aus sah ich viele kleine Kinder in Trikots, zum Teil mit Ringelsocken. Ich dachte sofort an Biene Maja. Da wir den Schlossgarten sowieso besuchten wollten, machten wir uns auf den Weg Richtung Sportplatz. Es war herrlich anzusehen. 8-10 jährige Kinder, Jungen und Mädchen gemischt, spielten im Rahmen eines Turniers Rugby. Das hätte ich eher in England vermutet aber nicht in Oranienburg.  Weiter spazierten wir zum Schlossgarten, den wir im Jahr nach der Gartenausstellung bereit schon einmal besucht hatten. Man merkte doch deutlich, dass die Ausstellung vor mehreren Jahren war. Wie uns eine Gärtnerin sagte, wurde das Personal nach der Ausstellung abgebaut. Es seien jetzt nicht mehr genug Arbeitskräfte für das ganze Gelände vorhanden. Wo früher Blumen waren, wuchs manchmal nun Rasen, der in diesem Hitzesommer auch gelitten hat.  Unsere nächste Radtour stand an, wir wollten rund um den Lehnitzsee. Die Strecke ging zuerst parallel zum Oder-Havel-Kanal, dann nach rechts über den Kanal und über Schmachtenhagen zurück zum Lehnitzsee. Die ganze Strecke ist als Radweg ausgewiesen. Allerdings sollte man den Menschen, der den Teil von der Brücke bis Schmachtenhagen als Radweg klassifiziert hat, mal dazu verdonnern, dieses Teilstück mit dem Fahrrad zu befahren. Vermutlich würde dann dieser Teil in der nächsten Auflage der Radkarten nicht mehr vorhanden sein. Wir waren froh, als wir ab Schmachtenhagen wieder einen vernünftigen Radweg hatten.  Oranienburg – Berlin, das ist normalerweise eine 1-Tages-Tour. Aber was ist in Berlin schon normal? Im Hafen waren die seltsamsten Dinge von den Schleusen in Berlin zu hören. Also habe ich bei ELWIS (das Informationssystem der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes) recherchiert. Das Ergebnis war niederschmetternd: die Schleuse Plötzensee in Berlin war außer Betrieb, Schleuse Spandau im 1-Schicht-Betrieb und Sportbootschleusung nur zusammen mit gewerblichen Schiffen, selbst die Schleuse Kleinmachnow im Teltowkanal lief nur noch im 1-Schicht-Betrieb und nur mit einer Kammer. Die Ursache war immer: Personalmangel. Liebes Berlin, Personalmangel passiert nicht von heute auf morgen. Die Berliner Personalplanung kann so nur als katastrophal bezeichnet werden (und das gilt nicht nur für den Bereich der Schifffahrt, dies gilt für alle Behörden Berlins). Die seltsamen Dinge, die im Hafen zu hören waren, entsprachen anscheinend der Wahrheit.  Das Ergebnis der Recherche bedeutete für uns eine Umplanung. Die Schleuse Spandau wollten wir unbedingt vermeiden. Die Alternative Plötzensee ging nicht (außer Betrieb), blieb also nur noch der weiträumige Umweg über den Havelkanal mit der Schleuse Schönwalde und anschließend Fahrt in Richtung Jungfernsee.  Wir verließen den Servicehafen um 8:45 Uhr. Das Wetter war wie gewohnt in diesem Sommer: sonnig, trocken und warm. Eine geruhsame, ereignislose Fahrt bis zur Einfahrt in den Havelkanal. Hier war eine Tafel angebracht mit dem Hinweis, dass die Schleuse Schönwalde nur eingeschränkt ab 10:00 (oder war es 11:00) Uhr arbeitet. Die Berliner Personalplanung hatte wieder zugeschlagen. Wir waren erst gegen 11:30 an der Schleuse, Glück gehabt. Wegen des Wassermangels wurde aber anscheinend nur noch stündlich geschleust, jedenfalls mussten wir bis 12:00 Uhr warten, bevor es weiter ging.  Wie vor der Schleuse, so war es auch nach der Schleuse: geruhsame, ereignislose Fahrt bis zum Yachtanleger Bertinistraße kurz vor der Glienicker Brücke, den wir gegen 16:00 Uhr erreichten. Ein einfacher Liegeplatz ohne jeglichen Service, an dem man für einen Tag kostenlos anlegen darf. So ganz ereignislos war die Fahrt dann doch nicht. Wir können hier berichten, dass es im Havelkanal wieder Biber gibt! Gisela hat tatsächlich im Kanal einen Biber gesehen.  Die Nacht war ruhig. Um 9:00 Uhr hieß es „Leinen los“ und wir fuhren in Richtung Teltowkanal. Die Schleuse Kleinmachnow erreichten wir um 10:10 Uhr. Die Personalplanung und der Wassermangel schlugen wieder zu, erst um 11:00 Uhr wurden wir geschleust. Unser Ziel, das Wassersportzentrum Müggelseedamm in Berlin-Friedrichshagen, sahen wir um 14:30 Uhr. Übrigens gibt es in Berlin Eisvögel, wir haben im Teltowkanal solch ein seltenes Exemplar gesichtet.  Wir waren wieder zu Hause. Nach 4 Monaten und 2 Tagen lagen wir in einem Berliner Hafen, 15 Minuten Fußweg von unserer Wohnung entfernt. Unsere diesjährige Tour war beendet.  In den kommenden Tagen und Wochen stehen die Nachbereitungen an. Das Boot muss ausgeräumt und anschließend zur Werft nach Prieros gefahren werden. Dort wird Skylge winterfest gemacht und damit in den Winterschlaf versetzt. Für mich beginnt dann die Zeit, in der ich diese Zeilen schreibe. Dann, ja dann beginnen auch bald schon die Vorbereitungen für die Tour im kommenden Jahr. Wohin es geht? Wartet ab, nächstes Jahr kommt die Fortsetzung. zurück zurück