Minden - Henrichenburg

HoKo on Tour 2019 
zurück zurück Bei starker Bewölkung, aber ohne Regen, starteten wir am nächsten Morgen den Motor. Zuerst war es eine ziemlich einsame Fahrt, da wir weder Gegenverkehr noch Schiffe in unserer Richtung hatten. Dann sahen wir voraus ein GMS (gewerbliches Motorschiff), dem wir uns langsam aber sicher immer mehr näherten. Per Funk verständigte ich mich mit dem GMS, daß ich backbord-seitig überholen wollte. Das GMS fuhr etwas weiter zur Steuerbordseite und ich gab Gas. Die Drehzahl stieg auf ca. 2700 U/min und entsprechend auch unser Tempo.   Ein Kontrollblick über die Instrumente und ich stutzte. Die Temperaturanzeige für das Kühlwasser war fast am Anschlag und nicht wie gewohnt bei ca. 80 Grad. Den Überholvorgang musste ich abbrechen, also Gas wegnehmen und das GMS wieder voraus fahren lassen. Kaum hatte ich weniger Gas gegeben, normalisierte sich auch die Temperaturanzeige. Das testete ich jetzt nochmal: Gas geben und die Temperatur stieg, Gas wieder wegnehmen und die Anzeige war wieder normal. Das war einerseits gut, denn prinzipiell funktionierte die Kühlung also. Andererseits aber auch schlecht, denn es war ja irgendetwas nicht in Ordnung. Da der Fehler nur unter Last auftrat, lag der Verdacht nahe, dass zu wenig Kühlwasser ins System gelangte. Bei der nächsten Möglichkeit machten wir unser Schiff an der Spundwand fest und ich öffnete den Motorraum. Schon der erste Blick zeigte, dass der Kühlwasserfilter ungewöhnlich dunkel aussah. Ich öffnete ihn und sah, dass er fast vollständig durch abgestorbene Pflanzen verstopft war. Sauber war der MLK in diesem Bereich also nicht. Ich reinigte den Filter und startete wieder den Motor. Die Temperatur lag bei den gewohnten 80 Grad. Nun also prüfen, was unter Last passiert. Im Leerlauf die Drehzahl erhöht und es passierte nichts, die Temperatur blieb konstant bei 80 Grad. Der Fehler war gefunden und die Ursache beseitigt, wir konnten beruhigt weiter fahren.  Das Wetter war im Grunde ein ideales Fahrwetter. Es war nicht sehr warm, aber auch nicht kalt, vor allem war es trocken. Wir beschlossen deshalb, die heutige Etappe bis zur Marina Recke, ca. 12 Km vor dem Nassen Dreieck, zu erweitern. Telefonisch reservierte ich einen Liegeplatz und gegen 17:00 Uhr erreichten wir unser Ziel. Die „tägliche“ Kontrolle im Motorraum ergab übrigens, dass der Kühlwasserfilter schon wieder reichlich zu war. Dieser MLK-Abschnitt war also richtig verschmutzt.  In der Marina gab es zum Abendbrot dann frisch gegrilltes Fleisch und ein gut gezapftes Köpi (Königs Pilsener) vom Fass. Nach der Aufregung vom Tage war dies ein guter Ausklang am Abend. Nachts wurde es wieder etwas kühler, das Thermometer zeigte nur 5 Grad. Dank des leckeren Köpis verbrannten wir nachts Alkohol, gefroren haben wir also nicht.  Der Brötchendienst in der Marina funktionierte gut und so hatten wir frische Schrippen. Da heute nur eine relativ kurze Etappe zum Yachthafen Marina Alte Fahrt (gelegen an einem alten Ems-Arm in Fuestrup) anstand und auf diesem Weg keine Schleuse lag, frühstückten wir erst einmal in aller Ruhe auf unserer Terrasse. Ja, nach der kühlen Nacht schien heute Morgen bereits die Sonne und sorgte so für eine angenehme Temperatur unter dem Verdeck.  Kurz nach 10 Uhr verließen wir die Marina Recke und erreichten nach einer guten Stunde das Nasse Dreieck bei Bevergern / Bergeshövede. Damit hatten wir den MLK geschafft und zweigten in den Dortmund-Ems-Kanal (DEK) in Richtung Münster ab. Gegen 14 Uhr erreichten wir unser Etappenziel und hatten schnell einen Liegeplatz gefunden. Da abends Fußball anstand, testete ich zuerst den TV-Empfang. Das Ergebnis war niederschmetternd, unsere Sat-Antenne fand genau 0 (in Worten Null) Sender. Die vielen Bäume neben dem Steg sahen zwar sehr schön aus, verhinderten aber auch die notwendige direkte Sicht auf den Satelliten. Also die Leinen wieder gelöst und einen neuen Platz gesucht. In einer leichten Kurve fanden wir eine Lücke zwischen zwei Booten, die für uns groß genug war. Bäume standen hier zwar auch, aber ich hoffte, dass wir wegen der Kurve nun doch freie Sicht zum Satelliten hatten. Das Boot war schnell provisorisch am Steg befestigt, schnell den Fernseher eingeschaltet und gebannt zum Bildschirm geguckt. Es dauerte gefühlte Stunden bis die Sendersuche abgeschlossen war. Dann war es endlich soweit, es waren alle Sender gefunden worden, der Fußball-Abend war gerettet. Gut gelaunt bin ich wieder auf den Steg gegangen und habe das Boot erst einmal richtig festgemacht.  Wir blieben zwei Tage in der Marina und genossen das absolut ruhige Wasser. Es war gar nicht zu glauben, dass wir nur ca. 500 m vom gut befahrenen DEK entfernt waren. In dieser Zeit sahen wir uns die nähere Umgebung an, mussten dabei mit der Fähre von Dover nach Calais, und faulenzten. Endlich hatten wir nicht nur die Zeit sondern auch die Muße, um endlich wieder ein Buch in die Hand zu nehmen.  Nach dem Wochenende machten wir uns auf den Weg nach Henrichenburg, wo wir uns das alte, stillgelegte Hebewerk ansehen wollten. Die Schleuse in Münster war schnell erreicht und wir legten uns an die Wartestelle. Wir hatten Glück. Es war zwar kein GMS zu sehen, mit dem wir schleusen könnten, aber trotzdem forderte der Schleusenwärter uns zur Einfahrt auf. Wir wurden allein hoch geschleust! Als wir oben die Schleuse verließen, sahen wir den Grund für unser Glück. Oben standen bereits einige GMS, die alle in Richtung MLK schleusen wollten.  Die Weiterfahrt im DEK fand ich ziemlich eintönig. Hatten wir im MLK öfter wechselnde Landschaften gehabt, erinnere ich mich heute nur an landwirtschaftlich genutzte Felder am DEK. Bald hatten wir aber das Dattelner Meer erreicht, hier zweigt der Datteln-Wesel-Kanal vom DEK ab, und nicht viel später standen wir vor dem Hebewerk in Henrichenburg.  Hier gab es drei Yachtclubs, die alle Liegeplätzte für Gastlieger anboten. Wir steuerten den Platz an, der den besten Blick auf das Hebewerk bot. Eine helfende Hand am Steg half uns beim Anlegen und kurz darauf waren die Leinen befestigt. Die freundliche Hand entpuppte sich als 1. Vorsitzender des Vereins Yachtclub Hebewerk Henrichenburg. Wir kamen ins Gespräch und ich erzählte, dass wir uns das Hebewerk in den kommenden Tagen ansehen wollten. Daraufhin erwiderte er, dass er in seiner Freizeit Führungen durch das Hebewerk leitet. Wenn wir wollten, würde er mit uns eine Führung machen. So kamen wir zu einer ca. 2 stündigen Privatführung durch das alte Hebewerk am nächsten Tag. Dies war das erste Highlight auf unserem Törn, Danke Herr Becker.  Wir blieben letztendlich drei Tage in Henrichenburg. In dieser Zeit besuchten wir Verwandte in Waltrop und ich zeigte Gisela mein Geburtshaus in Castrop-Rauxel. Es war schon erstaunlich: vor über 50 Jahren war ich von Castrop-Rauxel nach Neuss/Rhein umgezogen, aber ich erkannte doch sehr viel wieder. zurück zurück Galerie Galerie Galerie Galerie