Henrichenburg - Wesel

HoKo on Tour 2019 
zurück zurück Wir verließen Henrichenburg bereits um 8:00 Uhr, da auf unserer heutigen Etappe nach Dorsten insgesamt 4 Schleusen zu bewältigen waren. Zudem hatte ich in den Nachrichten der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung gelesen, dass im Wesel-Dattel-Kanal Bauarbeiten an den Schleusen durchgeführt werden und entsprechend mit Wartezeiten zu rechnen ist. Wenn aber schon die Berufsschifffahrt derart behindert wird, so gilt dies erst recht für die Freizeitkapitäne.  Wir fuhren also zurück bis zum Dattelner Meer und standen kurz darauf an der Wartestelle für Sportboote. Ich hatte uns über Funk angemeldet aber lediglich die lapidare Antwort erhalten „legen sie an der Wartestelle an, wir rufen sie dann auf“. Nun begann das Warten. Wir nutzten diese Zeit und holten erst einmal unser Frühstück nach. Nach 1,5 Stunden durften wir endlich in die Schleuse einfahren, weitere 10 Minuten später hatten wir die Schleuse Datteln passiert.  Die nächsten beiden Schleusen absolvierten wir dafür im Eilzugtempo. Es warteten keine Schiffe vor der Schleuse und wir konnten jeweils sofort in die Schleusenkammer einfahren. So macht Schleusen richtig Spaß.  Kurz vor unserem Etappenziel, dem Dorstener Motoryacht Club, mussten wir noch die Schleuse Dorsten bewältigen. Hier schlug jedoch der Baustellen-Teufel richtig zu. Geschlagene 2,5 Stunden dauerte es bis zur Schleusung. 20 Minuten später lagen wir bereits an unserem Liegeplatz.  Den nächsten Tage nutzten wir, um die ungeliebten Arbeiten zu erledigen, d.h. Gisela kümmerte sich um die Wäsche und ich um das Boot. Da Bootswaschen mit Trinkwasser in den meisten Häfen mittlerweile - zu Recht - verboten ist, kaufte ich eine Tauchpumpe. Damit kann ich das Boot nun überall mit Seewasser reinigen. Anschließend war Erholung - also faulenzen - angesagt.  Unseren letzten Tag in Dorsten verbrachten wir zum großen Teil in der Zeche Fürst Leopold, in der bis 2001 Steinkohle gefördert wurde. Heute ist auf dem Gelände eine Dauerausstellung zu sehen. Ehemalige Kumpel (so wurden/werden die Zechenmitarbeiter genannt) haben die alten Maschinen teilweise wieder hergerichtet und zeigen so ein Stück ihrer Industriegeschichte. Es war schon imposant neben einer Dampfmaschine zu stehen, mit der früher die Kumpel in den Berg und die Kohle aus dem Berg transportiert wurden.   Gut ausgeschlafen machten wir uns am nächsten Morgen auf den Weg nach Wesel. Heute standen wieder 2 Schleusen sowie eine kurze Fahrt auf dem Rhein auf dem Programm. Für den Rhein wurde ein leichtes Hochwasser gemeldet. Was dies für die Strömungsgeschwindigkeit bedeutete, sollten wir ja bald erfahren.  Die beiden Schleusen wurden heute im D-Zug-Tempo absolviert. Ich meldete uns via Funk jeweils früh an mit dem Ergebnis, dass bei Erreichen der Schleuse jedesmal bereits ein offenes Schleusentor auf unsere Einfahrt wartete. So macht Schleusen Spaß.  Nach der Schleuse Friedrichsfeld war es nur noch ein Katzensprung bis zum Rhein. Sowohl an  der Wasserfärbung als auch an der Strömung war deutlich der Wechsel vom Kanal zum Rhein zu erkennen. Unsere Instrumente zeigten eine Fließgeschwindigkeit von fast 6 Km/h an, das war schon ganz ordentlich. Nur an der Elbmündung vor zwei Jahren hatten wir eine ähnliche Geschwindigkeit schon erlebt. Bei dieser Geschwindigkeit hatten wir die Hafeneinfahrt schnell erreicht bzw. passiert. Noch ein Wendemanöver und dann ging es gegen den Strom langsam in den Hafen, denn bei solchen Fließgeschwindigkeiten sollte man besser nicht mit der Strömung in enge Hafeneinfahrten fahren. Ein paar Minuten später lagen wir mit unserem Boot sicher am Steg.  Es war noch früh und so haben wir erst mal die nähere Umgebung zu Fuß erkundet. Gisela hatte bei der Einfahrt Holunder blühen sehen, den wollte sie einsammeln. Es würde also bald wieder leckeren Holunderblütensirup geben. In Hafennähe gab es ein Freibad mit angrenzendem Biergarten. Das Bad ließen wir sprichwörtlich links liegen, nicht jedoch den Biergarten. Gut versorgt mit einer Bratwurst und einem Bier machten wir es uns auf der Terrasse bequem und beobachteten den regen Schiffsverkehr. Es waren schon ziemlich große Pötte und Schubverbünde dabei. Zwar hatten wir im Nord-Ostsee-Kanal bereits Bekanntschaft mit noch größeren Schiffen gehabt, aber die fuhren alle nur langsam. Hier auf dem Rhein gibt es jedoch keine Geschwindigkeitsbegrenzung und das war auch deutlich an den Wellen zu sehen. Es machte mir zwar keine Angst, aber Respekt hatte ich doch schon.  Die Abfahrt von Wesel stand an, der Rhein wartete auf uns. Wir starteten den Motor und fuhren langsam zur Hafenausfahrt. Ein letzter kontrollierender Blick und Gisela hörte ein „was ist das denn?“. Die Temperaturanzeige spielte verrückt. Die Nadel sprang vom Anfang bis zum Ende, stand mal wieder still und zitterte auch mal. Sprungsignale nennen Physiker so etwas. Nicht das Anzeigeinstrument ist defekt, sondern der Signalgeber bzw. Sensor.  Wir sind wieder zu dem Liegeplatz zurückgefahren, denn mit einem defekten Temperatursensor wollte ich nicht auf den Rhein. Benötigt man als Ortsunkundiger Hilfe, ist der Hafenmeister immer eine gute Anlaufstelle. Auch in unserem Fall konnte er helfen und kurz später hatte ich eine Werkstatt am Telefon. Ein Monteur sollte vorbeikommen und den Fehler analysieren, das war gut. Aber heute schafft er das nicht mehr, es geht erst übermorgen, da morgen Himmelfahrt ist. Das war schlecht, aber nicht zu ändern.  Pünktlich am Freitagmorgen, das akademische Viertelstündchen berücksichtigt, kam der Monteur. Seine Analyse war kurz und knackig: der Temperaturgeber ist defekt, er muss getauscht werden, so was kann man nicht reparieren. Da hatte der Mann natürlich Recht. Unangenehm waren nur seine weiteren Ausführungen: Diesen Geber haben wir nicht auf Lager, wenn wir Pech haben müssen wir das Teil in Japan (unser Boot hat eine Yanmar-Maschine) bestellen. Das dauert dann 2-4 Wochen bis wir das Teil hier haben. Mir fiel die Kinnlade herunter.  Bevor ich mich jetzt in Einzelheiten vertiefe, das Weitere in Kurzform: Freitag:		kontaktiert der Monteur seinen Lieferanten Samstag:		Antwort vom Lieferant, sein Lieferant hat das Teil Montag:		Lieferant bestellt bei seinem Lieferanten Dienstag:	wir warten Mittwoch: 	wir warten Donnerstag:	wir warten immer noch  Freitags beim Frühstück beschließen wir, uns für das kommende Pfingstwochende einen Leihwagen zu nehmen, und meine Mutter zu besuchen. Wir haben keine Hoffnung mehr, dass vor dem Wochenende noch etwas passiert. Gegen 14 Uhr dann der Anruf aus der Werkstatt: Wir haben das Teil, der Monteur ist unterwegs zu Ihnen. Der Monteur kam und nach 10 Minuten war der Sensor installiert. Den Motor gestartet, mehrere Minuten im Leerlauf immer mal wieder Gas gegeben und permanent die Anzeige beobachtet. Keine Sprungsignale mehr, der Fehler schien behoben zu sein. (Der Fehler war behoben, wir haben seit dieser Reparatur keine Probleme mehr gehabt.)  Wir waren froh, dass wir nun endlich weiter fahren konnten. Trotzdem blieben wir bei der Frühstücks-Entscheidung und überraschten meine Mutter zu Pfingsten. Da wir den Leihwagen für das ganze Wochenende hatten, machten wir auch noch einen Abstecher nach Xanten und sahen uns die Innenstadt mit dem Dom an.  In der „Warte-Woche“ waren wir übrigens viel mit dem Fahrrad unterwegs. In der großen Fußgängerzone waren viele Wahrzeichen von Wesel zu sehen: Esel in vielen Variationen. Die nähere Umgebung lädt ebenfalls zur Erkundung mit dem ein: viele Radwege und auch kleine Gartenlokale bzw. Cafés. So haben wir die Wartezeit doch noch sinnvoll verbracht. zurück zurück Gisela mit dem Esel, das Symboltier von Wesel der Willibrordi-Dom in Wesel der Dom in Xanten Galerie Galerie Galerie Galerie