Wesel - Linden 

HoKo on Tour 2019 
Nach zwei Wochen Wesel freuten wir uns schon auf die Weiterfahrt. Nach dem Frühstück starteten wir den Motor und fuhren zur Hafenausfahrt. Mein Blick ging immer wieder zur Temperaturanzeige. Die Anzeigenadel stand wie eine 1 bei der gewohnten Temperatur von 80 Grad. Alles war in Ordnung.  Trotz des Feiertages, wir hatten Pfingstmontag, herrschte auf dem Rhein ein reger Verkehr. Die meisten Schiffe fuhren rhein-aufwärts, wir jedoch waren mit der Strömung unterwegs. Das Hochwasser und somit auch die Strömung waren etwas zurückgegangen, wir waren mit gut 14 Km/h unterwegs. Das Wasser war ziemlich kabbelig, viele kleine kurze Wellen, die jedoch unserem Schiff keine Probleme bereiteten. Spaß hat es jedoch trotzdem auf dem Rhein nicht gemacht, da wegen des unruhigen Wassers permanent am Ruder gearbeitet werden muss, damit eine stabile Fahrtrichtung gehalten wird.  Bei unserer exorbitanten Reisegeschwindigkeit, immerhin gut 3 Km/h schneller als gewohnt, erreichten wir Emmerich schon nach drei Stunden. Der Hafen des Emmericher Yacht-Clubs, dieser war unser Gastgeber für eine Nacht, liegt gut geschützt in einem Altarm des Rheins, ideal für eine angenehme Nachtruhe.  Nachmittags sind wir zur Rheinpromenade gegangen. Was wir an diesem Tag von Emmerich gesehen haben, hat nicht Appetit auf „mehr Emmerich“ gemacht. Wir werden uns wohl auch in der Zukunft nicht lange in dieser Stadt aufhalten.  Die Nacht war wie erwartet sehr ruhig, lediglich den aufkommenden Regen hörte man gelegentlich auf das Dach plätschern. Es regnete zwar nicht viel, dafür aber ausgiebig. Der Wetterbericht meldete, dass bis 10 Uhr mit weiteren Niederschlägen zu rechnen sei, dann sollte es aufklaren und für den Rest des Tages trocken und warm sein. Wir beschlossen, solange im Hafen zu bleiben.  Gegen 10 Uhr hörte der Regen tatsächlich auf und wir verabschiedeten uns von unseren Gastgebern. Schnell waren wir wieder auf dem Rhein, der bald zum Grenzfluss wurde: rechtes Ufer Niederlande - linkes Ufer Deutschland. Eine halbe Stunde später hatten wir Deutschland verlassen und waren in die Niederlande eingereist, ohne irgendwelche Grenzformalitäten erledigen zu müssen. Sollte in Deutschland jemand auf die verrückte Idee kommen, die EU zu verlassen, kann ich versichern: meine Stimme wird er nie bekommen!  Der mittlerweile sehr breite Rhein teilte sich kurz später in Waal und Nederrijn (Deutsch: Wal und Niederrhein). Der Waal war natürlich nicht mehr so breit und das Wasser war viel ruhiger, was auch die Fahrt ruhiger machte. Je weiter wir nach Nijmegen kamen, desto breiter und damit unruhiger wurde der Waal. Zudem nahm der Schiffsverkehr wieder deutlich zu.  Nach ungefähr 20 Waal-Kilometern hatten wir den Abzweig zum Maas-Waalkanal bei Nijmegen erreicht, das Wasser wurde schlagartig ruhig. Plötzlich ertönte eine sehr laute Sirene mit einem überaus hässlichen Ton, der fast schon zu einem körperlichen Schmerz führte. Ich guckte Gisela an, sie schaute mich an, was war das denn? Kam das von der Schleuse (wir standen nämlich kurz vor der Schleuse Weurt)? Neben uns wartete ein weiteres Schiff. Von dort kam die lapidare Mitteilung: „Damit seid ihr gemeint, ihr habt euch nicht richtig angemeldet.“   Tja, bei der Einfahrt in den Maas-Waalkanal gibt es einen Verkehrsposten für den Schiffsverkehr und bei diesem Posten muss man sich melden, wenn man in den Kanal einfahren will. Ich hatte zwar via Funk eine Meldung abgesetzt, die entsprach aber nicht so richtig der Funk-Etikette, da ich den Adressaten der Meldung nicht korrekt angesprochen hatte. Die Antwort des Verkehrspostens entsprach zwar ebenfalls nicht der Etikette, aber ich hatte meine Lektion gelernt.  Die Schleuse Weurt war schnell passiert und nach ca. 12 Kilometern hatten wir die gemächlich fließende Maas erreicht. Von hier war es nur noch ein Katzensprung am Hafen Cuijk vorbei nach Linden an den Kraaijenbergse Plassen, unsere Heimat für die nächsten 6 Tage.  Die Gegend mit dem Fahrrad zu „erfahren“ und natürlich das Familientreffen mit Daniel und Nicole, das war unser Programm. Dabei lernten wir die ausgezeichnete Infrastruktur für Radfahrer in den Niederlanden kennen. Egal welche Straße wir befuhren, es gab so gut wie immer auch einen eigenen Weg, zumindest aber eine separate Spur für die Biker. Auch wenn es von den Berliner Politikern niemand lesen wird: Fragt mal bei den Niederländern nach, wie Fahrradstadt geht und hört auf, weiter die Straßen mit dem alten Pflaster neu „auszubessern“. Fahrradfahren auf dem groben Kopfsteinpflaster ist nicht möglich sondern lebensgefährlich! (Das musste mal gesagt werden, nun aber weg von der Politik.)  Das beste Raderlebnis war unser Abstecher nach Nijmegen. Der Radweg führte uns von Lingen bis zum Zentrum in Nijmegen, immer schön parallel zu den Straßen. Ab Malden, dem letzten Vorort vor Nijmegen, waren die Radwege sogar sehr breit. Den Grund dafür merkten wir auf unserer Rücktour: Es waren zur Rushhour dermaßen viel Radfahrer unterwegs, da braucht man solch eine zweispurige Fahrrad-“Auto“-Bahn. Trotz dieser vielen Radfahrer läuft der Verkehr aber ohne Hektik ab. Man fährt zum Teil schnell. Will man überholen, wartet man bis sich die Gelegenheit ergibt und fährt dann vorbei. „Kampfradfahrer“ wie in Deutschland  haben wir hier nicht gesehen. Wir langsamen Touristen haben uns hier zu keiner Zeit unsicher oder gefährdet gesehen.  Weitere Touren führten uns nach Mook, Cuijk und - zusammen mit Daniel und Nicole - um die Mooker Plassen. Cuijk hat übrigens nicht nur eine sehr schöne Kirche, sondern auch einen Jumbo-Supermarkt mit eigenem Steg. Ja, dort kann man sogar mit dem Schiff Einkaufen fahren. zurück zurück Galerie Galerie zurück zurück Galerie Galerie