Linden - Maastricht - Linden 

HoKo on Tour 2019 
Zu Beginn der neuen Woche verließen wir Linden und fuhren die Maas aufwärts in Richtung Roermond. In Venlo legten wir für zwei Nächte bei der Watersportvereniging de Maas an und nutzten den angebotenen Boots-Shuttle-Service für einen Stadtbummel durch das alte Venlo. Wie früher, aus meiner Vor-Berliner Zeit kannte ich Venlo, war deutlich zu erkennen, dass Venlo immer noch eine Einkaufsstadt der Deutschen war. Auf dem Parkplatz standen mehr deutsche Autos als niederländische. Das halbe Ruhrgebiet war vertreten. Wir aber bummelten nur durch die Altstadt und verfielen nicht in den Kaufrausch der Konsum-Touristen.  Nach einer ruhigen Nacht machten wir uns bereits gegen 8 Uhr auf den Weg nach Roermond. Zwei Schleusen waren bis dort zu passieren. Ich meldete uns bei der ersten Schleuse (Belfeld) an und hörte noch mit, wie die Schleusenwärterin zu einem Berufsschiffer sagte: „Fahr mal ein Stück vor, wir nehmen noch einen Yachtie mit“. „Yachties“ werden wir Freizeitschiffer also von den Profis hier genannt, ein schöner Ausdruck.  Die zweite Schleuse direkt vor Roermond überraschte mich auf andere Art. Ich meldete uns an und befürchtete eine längere Wartezeit, da weit und breit kein Gewerblicher zu sehen war. Die Antwort des Schleusenwärters: „In 15 Minuten steht die Schleuse für Sie bereit.“ Solch eine Zeitangabe hatte ich noch nie erlebt. In Deutschland hörte man meistens Ansagen der Form: „Legen Sie mal am Sportbootanleger an, wir rufen Sie dann über Lautsprecher auf.“ Nun, hier hieß es 15 Minuten und nach 15 Minuten konnten wir tatsächlich in die Schleuse einfahren.  In den direkt in der Stadt gelegenen Hafen in Roermond wollten wir nicht anlegen, da wir dort Verkehrslärm befürchteten. Stattdessen sind wir zum Plas Hatenboer gefahren. Verkehrslärm gab es dort überhaupt nicht, da die einzige Straße dort eine Sackgasse bildet. Es gab aber auch kaum freie Liegeplätze für ein Boot unserer Größe! Im Yachthafen Hermus hatten wir dann Glück, es gab dort für eine Woche noch einen Liegeplatz. Den nahmen wir, denn wir wollten sowieso nicht länger bleiben.  Es war mittlerweile ziemlich warm, das Wasser im Hafen war sehr sauber und wir konnten eine Erfrischung gut gebrauchen. Also schnell die Badeleiter umgeklappt und schon genossen wir die Abkühlung. Dies war unser erstes Bad in den Plassen und es sollte nicht das letzte bleiben. Es wurde abends immer schwüler und der Tag endete mit einem kräftigen Regenschauer.  Am nächsten Morgen war es bewölkt aber schon wieder warm und gelegentlich gab es kurze Regenschauer. Als die Wetterprognose eine längere Regenpause voraus sah, machten wir uns mit den Rädern ins Zentrum von Roermond auf. 10 Minuten später waren wir bereits in der City. Wir sahen den Autoverkehr und waren froh, dass wir gestern nicht hier angelegt hatten. Unser Liegeplatz in den Plassen war bedeutend ruhiger. Wir machten nur einen kleinen Stadtbummel, denn die Wolken wurden wieder dichter, der nächste Regen kam bestimmt. Wir schafften es noch bis zur Hafeneinfahrt, dann wurden wir doch noch nass.  Nach einer ruhigen Nacht erwachten wir bei strahlender Sonne und einem blauen Himmel, nicht eine einzige Wolke war zu sehen und so genossen wir das Frühstück auf der Terrasse. Das Wetter lud förmlich zu einer Radtour ein. Auf der Karte hatten wir uns Thorn, genannt die weiße Stadt, und Wessem als Ziele ausgesucht. Gute 35 Km fuhren wir an diesem Tag ohne jegliche Steigung, das hätten wir auch ohne E-Bikes geschafft (aber mit ist noch weniger anstrengend).  So verbrachten wir die ganze Woche: gut schlafen, gut frühstücken, viel Radfahren und abends auf der Terrasse sitzen, lesen und den Kröten und Gänsen bei ihren Konzerten zuhören. Lediglich eine Nacht durchbrach diesen Rhythmus: um drei Uhr weckte mich Gisela und sagte schlaftrunken: „Mückenalarm!“. Also ging ich mitten in der Nacht bewaffnet mit einer Taschenlampe und einer elektrischen Fliegenklatsche auf Mückenjagd. Es dauerte nicht lange und ich war erfolgreich, ein Knistern war zu hören. Es war das Knistern, wenn die Mücke mit dem elektrischen Feld der Fliegenklatsche zusammentrifft. Das hält keine Mücke aus.   Nachdem die Woche wie im Flug vergangen war, machten wir uns auf dem Weg zum alten Stadthafen „Oude Bassin te Maastricht“ in Maastricht. Dieser Hafen kann nur durch eine Schleusenbrücke mit 3,65m Durchfahrtshöhe, dies ist genau unsere normale Höhe, erreicht werden! Es würde also spannend bei der Einfahrt werden.  Die Fahrt bis zur letzten Schleuse war schön. Bei sehr wenig Schiffsverkehr näherten wir uns der letzten Schleuse. Ich rief den Hafenmeister an, der hier auch als Schleusenwärter fungiert, damit er die Schleuse für uns öffnete. Es dauerte auch keine fünf Minuten und das Schleusentor bewegte sich, wir konnten einfahren. An der Schleusenwand sahen wir eine dicke rot-weiße Linie über die komplette Schleusenlänge gemalt. Der Hafenmeister wies uns darauf hin und sagte: „Das ist die Höhe der Schleusenbrücke, Ihr müsst mit eurem Verdeck unter diese Markierung kommen!“. Wir peilten selbst. Wir waren zu hoch. Wir mussten mindestens fünf Zentimeter kleiner werden. Dafür das ganze Verdeck abbauen wollten wir aber auch nicht. Ich habe dann den Verdeckbügel an der höchsten Stelle gelöst. Das Verdeck sackte sofort ein und lag nun auf meinem Kopf. Gisela peilte erneut und meinte „das müsste reichen“. Langsam, das Verdeck immer mit meinem Kopf stützend fuhr ich los, Gisela peilte permanent „passt, passt, langsam, passt…“. Es hat gepasst. Nach endlos wirkenden Sekunden waren wir unter der Brücke durch und standen im Hafenbecken. Schnell den Verdeckbügel wieder befestigt und von der Last befreit steuerte ich einen freien Liegeplatz an.  Langsam fuhr ich in die Box. Anlegen und Boot festmachen, da sind wir mittlerweile ein gut eingespieltes Team. Gisela kümmert sich um die Leinen am Bug und ich versorge das Heck. Während ich die Leine am hinteren Poller befestige, höre ich plötzlich eine lang gezogenen Schrei „Uliiii!!!“. Ich gucke mich um und sehe Gisela: an der Reling hängend, die Beine bis zu den Knien im Wasser baumelnd. Vom nebenan stehenden Boot kam auch schon Hilfe. Zusammen zogen wir das Boot wieder an den Steg und Gisela aus dem Wasser.  Was war passiert? Das Schiff war vorne noch nicht befestigt und Gisela stand auf dem Steg und hielt das Boot an der Reling fest. Dann muss ein Windstoß gekommen sein, der das Boot vom Steg wegdrückte. Gisela hatte nicht genug Kraft, das Boot zu halten, aber sie hielt es weiterhin an der Reling fest. Also: Hände an der Reling, Füße auf dem Steg und ein wegtreibendes Boot. Das Ergebnis: irgendwann werden die Arme zu kurz, dann heißt es entweder die Reling loslassen und ins Wasser fallen, oder die Reling festhalten - was Gisela gemacht hat - und anschließend an ihr zu hängen.  So viel Aufregung beim Anlegen hatten wir schon sehr, sehr lange nicht mehr gehabt. Glücklicherweise ist es noch einmal glimpflich abgelaufen. Abends konnten wir über dieses Missgeschick schon wieder lachen.  In den nächsten Tagen haben wir Maastricht zu Fuß und per Schulbus erkundet. Von dem Stadthafen aus war die Altstadt fußläufig schnell zu erreichen. Unser Anlaufpunkt war dabei immer der Marktplatz mit dem Rathaus. Praktisch ist man dann bereits in der großzügigen Fußgängerzone und damit im Mekka unserer Konsumwelt. Es sind hier nicht so die großen, überall aufzufindenden Verkaufsketten, die das Bild prägen. Nein, hier gibt es auch noch unzählige kleine Geschäfte.  Vom Maasufer startend haben wir an einer Stadtrundfahrt teilgenommen. Während man in Berlin die abgeschnittenen, offenen Doppeldecker sieht, fährt man in Maastricht mit einem Schulbus, genauer mit einem original amerikanischem Schulbus. Die Rundfahrt war sehr interessant und empfehlenswert. Wir haben viele Eindrücke und Informationen erhalten, die wir alleine niemals erfahren hätten. Einige Sehenswürdigkeiten, bei denen wir während der Rundfahrt nur einen Blick erhaschen konnten, sind wir später noch zu Fuß angelaufen wie z.B. die Liebfrauenbasilika oder Bisschopsmolen-Wassermühle. Überrascht hat uns die Dominikanerinnen Kirche. Diese wird heute nur noch als Buchhandlung genutzt. Eine Kirche als Buchhandlung, das war neu für uns.   Mit gelöstem Verdeckbügel verließen wir den alten Stadthafen und damit Maastricht mit dem Ziel die „Weiße Stadt“ Thorn (den historischen Hintergrund dieses Beinamens bitte im Internet nachlesen) anzulaufen. Bei unserer Radtour von Roermond hatten wir bereits Thorn besucht und dabei auch die Liegemöglichkeiten in De Grote Hegge gesehen. Hier war eine Steganlage gebaut, von der man auch an Land gehen konnte. Wasser und Strom gab es hier zwar nicht, aber Wasser hatten wir in Maastricht gebunkert und unsere Solarpaneele sorgten bei dem sehr guten Wetter für ausreichend Energie. Wir hatten Glück, an dem Steg war noch ein Liegeplatz für uns frei. Drei Tage genossen wir das traumhafte Sommerwetter in Thorn. Wir konnten vom Boot aus ins Wasser und zusätzlich funktionierte ich unsere Tauchpumpe (in Dorsten erst gekauft) zur Dusche um. Vormittags, vor der Mittagshitze, unternahmen wir Fahrradtouren durch das nahe Belgien nach Stevensweert und nach Maasbracht. Bevor die Hitze ihren Tageshöchststand erreichte, waren wir dann schon wieder beim Boot und konnten uns unter der Dusche bzw. im Wasser abkühlen.  Auf unserer Rückfahrt nach Linden übernachteten wir dann wieder beim W.S.V Maas in Venlo. Dort schwärmten Liegeplatznachbarn von der kleinen Festungsstadt Arcen, ca. 10Km Maas-abwärts. Kurz entschlossen haben wir deshalb am nächsten Tag dort eine Pause eingelegt, bevor wir aufgrund eines aufziehenden Gewitters im Leukermeer die Tagesetappe vorzeitig beendeten. An einem der vielen kostenlosen Passantenliegestellen legten wir an. Das Gewitter war bald vorbei, wir aber blieben für die Nacht. Am nächsten Morgen begrüßte uns wieder ein strahlend blauer Himmel. Wir lösten die Leinen und waren schon drei Stunden später wieder in Linden.  Wir verbrachten das Wochenende in Linden, frühstückten mit Daniel und Nicole und fuhren noch einmal nach Nijmegen. Die berühmten „Vierdaagse“ (siehe Internet) standen vor der Tür, entsprechend geschmückt sah die Stadt aus.  Wieder beim Boot machten wir alles reisefertig für den nächsten Tag. Mittlerweile hatten wir bereits Mitte Juli und wir hatten noch nicht einmal die Hälfte der geplanten Tour hinter uns. Es war also Zeit für die Weiterfahrt. zurück zurück Galerie Galerie zurück zurück Galerie Galerie