Linden - Spakenburg 

HoKo on Tour 2019 
Kurz nach 7 Uhr wurden wir wach. Heute wollten wir die Maas verlassen und uns auf den Weg zu den Randmeeren machen. Der Wetterbericht gestern hatte uns nicht in Begeisterung ausbrechen lassen, also erst einmal einen Blick aus dem Fenster wagen. Die Aussicht war nicht berauschend: starke Bewölkung und leicht diesig, das Thermometer zeigte 16 Grad. Immerhin regnete es nicht, der Wetterbericht hatte anscheinend Recht.  Um 8:15 Uhr waren wir dann abreisefertig und starteten den Motor. Die Kraaijenbergse Plassen waren schnell geschafft und nach weniger als zwei Kilometer verließen wir schon die Maas wieder und fuhren in den Waal-Maaskanal ein. Es war eine einsame Fahrt durch den Kanal bis zur Schleuse Weurt, wo wir nach 20 Minuten Wartezeit in Richtung Waal geschleust wurden.  Direkt nach dem Verlassen der Schleuse habe ich uns beim Verkehrsposten Nijmegen angemeldet, natürlich diesmal der Funk-Etikette entsprechend. Die Antwort kam prompt, nämlich ein nettes „Guten Morgen“. Tja, ich hatte ja bereits erwähnt, dass ich meine Lektion gelernt habe. Ich gab unsere geplante Fahrtrichtung durch und bekam sinn-gemäß die Mitteilung „Sie können einfahren, kein Querverkehr auf dem Waal, gute Fahrt“. Für solche Informationen ist man dankbar.  Es standen nun ca. 25 Kilometer Waal-abwärts vor uns. Hinter uns war kein Schiff zu sehen und auch der Gegenverkehr war gering. Die Fahrt war zwar nicht so gemütlich wie im Kanal, aber auch nicht so ruppig wie vor einem Monat, als wir von Emmerich kamen. Es dauerte fast 20 Kilometer, bis ich im Rückspiegel einen Schubverband sah. Er kam schnell näher und ich erkannte, dass dieser einer von den ganz Großen war: zwei Schubeinheiten nebeneinander und zwei oder drei hintereinander, geschätzt kam da also ein Gigant von ca. 120m Länge und 12m Breite. In Wesel hatten wir solche Riesen schon gesehen. Die von diesen Monstern erzeugten Wellen sind ziemlich groß. Auf dem Navigationscomputer konnte ich erkennen, dass wir demnächst an einem Hafen vorbeifuhren. Ich gab Gas. Ich wollte versuchen, den Hafen zu erreichen, bevor der Schubverband uns erreichte. Das Monster kam immer näher, der Hafen aber auch. Ich schaffte es tatsächlich und bog in den Hafen ein, im Rückspiegel sah ich den Verband schon vorbeifahren. Ich wendete im Hafen und fuhr wieder langsam Richtung Waal. Die Wellen kamen jetzt genau von vorne und waren so kein Problem. Als ich wieder auf den Waal fuhr, war der Schubverband schon weit voraus und seine Wellen nicht mehr zu spüren.  Bald hatten wir dann den Abzweig zum Amsterdam-Rijn-Kanal erreicht und verließen den Waal. In diesem Bereich ist der Kanal noch nicht durch Spundwände begrenzt, die vom Schiffsverkehr erzeugten Wellen können am Ufer gut auslaufen. Die Fahrt bis zur Kreuzung mit dem Nederrijn, der ab hier in Richtung Nordsee „Lek“ heißt, war ruhig. Nun ging es ungefähr 1 Km nach steuerbord, gegen den Strom, bis zu dem kleinen Ort Wijk bij Duurstede, wo wir in einem Altarm des Nederrijns die Nacht verbrachten.  Nach der ruhigen Nacht fuhren wir wieder zum Amsterdam-Rijn-Kanal. Ab hier war der Kanal fast durchgehend mit Spundwänden eingefasst, entsprechend kabbelig war das Wasser. Je näher wir Utrecht kamen, umso mehr Verkehr war im Kanal und desto unruhiger das Wasser. Es war fast so schlimm wie auf der Elbe in Hamburg.  Wir wollten Utrecht einen Besuch abstatten, aber egal, von welcher Seite man in Utrecht einfährt, es gab immer mindestens eine Brücke, für die unser Schiff zu hoch war. Wir fuhren deshalb an Utrecht vorbei bis zur Vechtschleuse (Vechtsluis) und dort in die Vecht. Die Brückenhöhe betrug hier 3,75m, für uns also gerade hoch genug. Bald darauf hatten wir das Dorf Maarssen erreicht, wo wir an der grünen Kante einen Liegeplatz für zwei Nächte fanden.  Mit den Rädern fuhren wir am nächsten Morgen nach Utrecht. Wie wir es erwarteten, verlief der Fahrradweg von Maarssen bis in die Innenstadt von Utrecht. Zuerst stand Sightseeing auf eigene Faust auf dem Programm. Der Dom war schnell gefunden. Leider war der Domturm eingerüstet, der Fotoapparat blieb also eingepackt. Die Stadt war voller Touristen und wir schwammen immer mit dem Strom mit. Überall gab es Lokale, Gaststätten, Cafés, überall konnte man draußen sitzen und das Getümmel betrachten. Wie wir es auch schon in anderen Städten und auch Dörfern gesehen hatten, galt auch hier: das Leben findet bei schönem Wetter im Freien statt.  Das Pendant zur Stadtrundfahrt in Maastricht war hier in Utrecht eine Grachtenfahrt. Wir sahen dabei viel von Utrecht und, vor allem, wir hörten viel über die Stadt. Die Innenstadt scheint übrigens autofrei zu sein. Stadtrundfahrten sind hier also Grachtenfahrten.  Von Maarssen aus schlichen (erlaubte Geschwindigkeit 6-8 Km/h) wir dann auf der langsam fließenden Vecht in Richtung Muiden. Links und rechts sahen wir zum Teil sehr schöne Häuser, gepflegte Gärten mit einer wahren Blumenpracht, Wohnboote die eher Bungalows auf dem Wasser waren. Nur aufgrund unserer Langsamkeit konnten wir diese Umgebung so genießen.  Muiden erreichten wir am frühen Nachmittag. Im Hafen der Koninklijke Nederlandsche Zeil- en Roeivereeniging (KNZ&RV) (also der Königlichen Niederländischen Segel- und Rudervereinigung) fanden wir unsere Unterkunft für die nächsten Tage. Es ist nicht einfach nur ein Verein mit einer langen Tradition (der älteste Segelverein der Niederlande, gegründet 1847). Nein, es ist ein Verein, der auch auf die Einhaltung seiner Regeln achtet. Z.B. ist es nicht erlaubt, das Restaurant mit kurzen Hosen oder nacktem Oberkörper zu betreten. Ich finde diese Regeln gut. So wie ich im Restaurant keinen Kellner in kurzen Hosen sehen möchte, kann ich dem Ober auch keinen Gast in Badehose zumuten.  Die wichtigste Sehenswürdigkeit in Muiiden ist das Schloss Muiderslot. Wir wollten es uns auch ansehen, aber der Andrang am Eingangstor war so groß, das wir darauf verzichtet haben. Stattdessen haben wir lieber einen Spaziergang durch Muiden gemacht und in einem Hafencafé den Kaffee genossen und den Trubel an der Schleuse beobachtet.  Mit Verlassen der Vecht in Muiden (Muiden = Mündung) liefen wir in das Ijmeer ein. Wir  steuerten direkt nach Steuerbord und verließen es sofort wieder. Kurz darauf waren wir im Gooimeer und hatten damit die Randmeere erreicht. Für unser Tagesziel Spakenburg mussten wir noch weiter bis zum Eemmeer fahren. Bereits vier Stunden nach Auslaufen aus dem Hafen hatten wir unser Ziel erreicht. zurück zurück Galerie Galerie zurück zurück Galerie Galerie