Lauwersmeer

HoKo on Tour 2019 
zurück zurück In der Nacht hatte es noch einmal kräftig geregnet, nun aber strahlte die Sonne vom blauen Himmel, Wolken waren nur vereinzelt zu sehen. Der Wetterbericht versprach für die kommenden Tage richtiges niederländisches Sommerwetter, d.h. trocken, mit angenehmen Temperaturen aber durchaus viel Wind. Wir wollten diese Tage nutzen und mit den Rädern durch den National Park Lauwersmeer bis zur Nordsee fahren.  Zuerst fuhren wir einen der vielen Radwege durch den Nationalpark in Richtung Oostmahorn. Unterwegs gab es viele Unterstände von denen aus Vögel, Pferde und auch Rinder beobachtet werden können. Die notwendige „Landschaftspflege“ ist zum Teil den Tieren überlassen: Schottische Hochlandrinder und auch die Konikpferde - eine Ponyrasse aus Mittel-Ost-Europa - halten den Bewuchs klein. Die weite, offene Landschaft ist auch ein Rastplatz der Zugvögel. Die haben wir im August natürlich noch nicht gesehen, dafür aber reichlich Gänse, Enten, Haubentaucher, Rallen, … kurz, Federvieh in vielen Variationen.  In Oostmahorn legten wir eine Pause ein und tranken in einem Café am Deich einen Kaffee. Die letzten Kilometer waren wir auf dem Deich gefahren und hatten natürlich wie immer Gegenwind. Die Pause hatten wir uns deswegen verdient. Gut versorgt nahmen wir das letzte Stück bis zur Nordsee bzw. dem Wattenmeer in Angriff. Der Wind wurde immer stärker und wir mussten - trotz E-Bike - kräftig in die Pedalen treten. Es war ziemlich anstrengend. Als wir endlich auf dem Nordseedeich standen, wurden wir durch die herrliche Aussicht belohnt. Das Wattenmeer war wirklich Meer, es war ausnahmsweise nicht Ebbe. Im Hintergrund konnten wir noch die westfriesische Insel Schiermonnikoog erkennen. Gefühlt war die Rücktour 10 Km länger, das lag nicht nur am Wind, sondern auch an meinem Hinterteil. Ein Fahrradsattel ist doch etwas anderes als ein bequemer Sessel.  Am nächsten Morgen wurden wir vom Wetter überrascht. Der gestrige Wetterbericht mit der guten Aussicht war nur noch Geschwätz von gestern. Es war warm, es war windig, es war nass und es blitzte. Ein dickes Gewitter brach genau über uns herein. Nach einer Stunde war aber der Spuk vorbei, die Sonne lugte wieder hervor und wir konnten doch noch mit den Rädern nach Kollum fahren. Unsere Vorräte mussten dringend aufgestockt werden.  Bei unser Tour zur Nordsee waren wir, nicht weit vom Hafen entfernt, an einem Gebäude vorbeigekommen, das unser Interesse weckte: De Dream Galerie-kunstcafé-eetcafé. Dort wollten wir abends essen. Das Innere dieser Lokalität sieht weder wie Galerie noch wie Café aus. Es stehen nur wenige Tische und Stühle in zwei Räumen. Auf den ersten Blick scheint nicht zu passen, alles könnte vom Flohmarkt kommen. Der zweite Blick widerspricht, sieht es doch irgendwie urig und gemütlich aus. Warum müssen denn in einem Restaurant alle Tische gleich aussehen? Warum dürfen die Stühle nicht unterschiedlich sein?  Die nächste Überraschung ließ nicht auf sich warten, es gab keine Speisenkarte. Stattdessen zählte der Chef des Hauses auf, was es heute zu essen gab: wir haben heute ein 3-Gänge-Menü bestehend aus… , sie können auch nur den Hauptgang nehmen. Das war die mündliche Speisenkarte. Lediglich bei den Getränken war die Auswahl größer, jedoch gab es auch hierfür keine Karte. Wir wollten ein Bier trinken. Daraufhin wurden die vorhandenen Sorten aufgezählt und wir entschieden uns. Eine kleine Karte ist ja im Grunde nichts Schlechtes, ist doch die Wahrscheinlichkeit, nur frisch zubereitete Gerichte zu bekommen, größer als bei einer ausufernden Speisekarte. Wir wählten das 3-Gang-Menü und wurden nicht enttäuscht. Die aufgetischten Speisen sahen optisch sehr ansprechend aus und waren auch ausgesprochen lecker. Wir hatten also ein gute Wahl getätigt. Die letzte Überraschung kam beim Lesen der Rechnung. Wir hatten ja keine Karte gesehen und demzufolge auch keine Preise. Ein Blick auf den Rechnungsbetrag und es stand fest: der Preis entsprach der Leistung. Sollten wir noch einmal in dieser Gegend sein, werden wir „De Dream“ wieder aufsuchen. Wie uns der Besitzer noch verriet, hat der Name nichts mit einem Traum zu tun, sondern kam zustande, weil in dieser Lokation 1985 Teile des Films „De Dream“ (von Pieter Verhoeff) aufgenommen wurden.  Es war Zeit, den Jachthaven Lunegat zu verlassen. Wir verstauten in Ruhe die Fahrräder auf dem Boot, füllten den Frischwassertank wieder bis oben voll und fuhren über das Lauwersmeer zum Jachthaven Hunzegat Zoutkamp, der kurz vor der Schleuse Zoutkamp liegt. Es waren nur 16 Km. Aber nun waren wir nicht mehr in Friesland, sondern in der Provinz Groningen. Von hier aus wollten wir die Gegend östlich des Lauwersmeer kennenlernen.  Da wir den Jachthafen bereits um die Mittagszeit erreicht hatten, spazierten wir nun zum Binnenhafen. Die Gemeinde hatte für uns touristisch nichts zu bieten, lediglich am bzw. in der Nähe des Binnenhafens gab es ein paar ganz kleine Lokale. Wir aßen Kibbeling (früher Kabeljau, heute auch Seehecht oder Seelachs) an einem Imbiss und waren mit der Qualität zufrieden. Gemütlich gingen wir später zum Boot zurück, Zoutkamp war erkundet (der Ort ist wirklich sehr klein).  Der Hafen war sehr ruhig, ideal zum Schlafen, wenn es keine Mücken gäbe. Diese kleinen Viecher haben uns drei Nächte nicht durchschlafen lassen. Jede Nacht zwischen 2 und 3 Uhr gab es einen Mückenalarm, ausgelöst durch Gisela. Dann war Mückenjagd angesagt, durchgeführt von Uli. Ich habe es bereits weiter vorne schon beschrieben und wiederhole mich hier: Moskitos haben gegen eine elektrische Fliegenklatsche keine Chance.  Der Nationalpark gilt übrigens als Dark Sky Park, weil es hier sehr wenig Lichtverschmutzung (Licht-Smog) gibt. So waren z.B. in dem Jachthafen alle Stegbeleuchtungen so angebracht, dass kein Licht in den Nachthimmel reflektiert wird. Wir haben dort wolkenlose Nächte gehabt. Solch eine Sternenvielfalt hatte ich schon seit langer Zeit nicht mehr. Die Bezeichnung „Milchstraße“ ist bei solch einem Anblick fast selbsterklärend.  Mit den Rädern haben wir mehrere Ausflüge durch den Nationalpark bis nach Lauwerssoog und von dort über den Deich bis zu den Fluttoren im Abschlussdeich gefahren. Im Fischerei- und Fährhafen neben der Seeschleuse war immer ein reges Treiben. Wir sahen die Fähre auf dem Weg nach Schiermonnikoog, wir sahen Fischerboote ein- und ausfahren und beim Löschen ihrer Ladung. Nicht zu vergessen die vielen Touristen, welche die Fischlokale bevölkerten.  Wie im Osten des Lauwermeers gab es auch an der Westseite sehr gute Radwege. An vielen Stellen kann man ungestört die Tierwelt beobachten und mit etwas Glück sieht man auch seltene Vögel. Wir hatten dieses Glück, und sahen in unserem Jachthafen einen Eisvogel. zurück zurück Galerie Galerie Galerie Galerie