Lauwersmeer - Köpenick 

HoKo on Tour 2018 
Der Abschied vom Lauwersmeer fiel uns nicht leicht. In diesem Fall hieß „Abschied nehmen“ ja auch „die Heimreise beginnt“. Das Ende der diesjährigen Bootssaison kam also unaufhaltsam immer näher, die letzte Augustwoche hatten wir bereits erreicht.  Wir verließen den Hafen und standen direkt vor der Brücke in Zoutkamp. Anmeldung via Funk und Öffnen der Brücke gingen ineinander über und kurz darauf hatten wir die Brücke passiert.  Unsere Tagesetappe war bis Groningen geplant, es waren somit 2 Schleusen und 9 Brücken zu bewältigen. Die Friesland-Variante an den Brücken funktionierte jetzt nicht mehr. In der Provinz Groningen werden die video-überwachten Brücken von einer zentralen Stelle aus bedient, Brückenwärter gibt es nicht mehr und demzufolge nutzt ein kurz-lang-kurzer Signalton auch nichts mehr. Hier hilft nur eine rechtzeitige Anmeldung via Funk unter Angabe, welche Brücke geöffnet werden soll. Fast immer hat es funktioniert und die Brücke wurde bereits bei der Anfahrt geöffnet. Lediglich an zwei Brücken mussten wir bis zur Warte- bzw.  Meldestelle fahren und die Öffnungsanforderung via Druckknopf auslösen. Bei diesen Brücken war die Funk-Anmeldung nicht erfolgreich, möglicherweise lag es an der für mich Unaussprechbarkeit der Brückennamen (niederländisch ist manchmal grausam). Letztendlich kamen wir so gut voran, dass wir bereits um 12:30 Uhr die letzte Schleuse in Groningen passiert hatten.  Flexibel wie wir nun mal sind, änderten wir unser Tagesziel. Den Passantenhaven Zuidbroek, nur 20 Km und 10 Brücken entfernt, wollten wir erreichen. Die Weiterfahrt war eine Fortsetzung des Vormittags, es gab keine Probleme mit den Brücken und kurz nach 15 Uhr erreichten wir den Passantenhaven. Freie Liegeplätze waren auch vorhanden, das sah also gut aus. Nicht so gut waren allerdings die Bauarbeiten direkt am Hafen, die Hafenmauer wurde neu gebaut. Es war also noch ziemlich viel Lärm bis die Handwerker endlich Feierabend hatten. Wenigstens war die Nacht ruhig, die Arbeiten wurden erst um 7:00 Uhr fortgesetzt. Wir frühstückten noch und machten uns dann auf den Weg in Richtung Stadskanaal. Bis zur Wilhelminaschleuse in Veendam war es nicht weit, von dort startet dann die „begleitete Fahrt“ bis zur Grenze nach Deutschland.  Erläuterung Begleitete Fahrt: von Veendam bis zur Grenze nach Deutschland sind insgesamt 65 kleine Brücken bzw. Schleusen zu bewältigen. Ab der Wilhelminaschleuse (bzw. ab der Grenze) fährt man den Kanal mit bis zu 6 Schiffen im Konvoi. Der Konvoi wird dabei von bis zu 4 Männern begleitet, die mit den Rädern voraus fahren, die Brücken öffnen und nach dem Passieren des Konvois auch wieder schließen. Nur so ist es möglich, diese Strecke zu bewältigen. Im Allgemeinen wird in der Stadt Stadskanaal eine Übernachtungspause eingelegt, da ab der Grenze bis Haren/Ems keine Übernachtungsmöglichkeit besteht.  Bei unserer Ankunft an der Wilhelminaschleuse sahen wir zwei rote Lichtsignale, jedoch nicht neben- sondern übereinander. Rote Lichter übereinander, die Schleuse war außer Betrieb! Das durfte doch nicht wahr sein, das war nirgends angekündigt. Es war zwar ein Funkkanal zur Anmeldung angegeben, aber da meldete sich niemand. Letztendlich haben wir eine Telefonnummer in unseren Unterlagen gefunden, so erreichten wir den Hafenmeister in Personalunion auch Schleusenwärter und Häuptling der Begleitete-Fahrt-Männer. In einem deutsch-niederländischen Gemisch sagte er so etwas wie „ich bin gleich bei euch“. Das „gleich“ dauerte ungefähr 30 Minuten. Wir hatten leichte Verständigungsprobleme, aber das Ergebnis war: es gibt heute keine Fahrt mehr. Unterwegs sei eine alte Brücke, die kann nicht mehr geöffnet werden, weil sie sonst nicht mehr geschlossen werden kann. Es ist so heiß, dass die Brücke sich ausgedehnt hat. Erst morgen früh, wenn es noch kühl ist, kann die Brücke wieder geöffnet werden. Wir können aber gerne noch durch die Schleuse fahren und 100m weiter im Hafen Veendam übernachten. Natürlich schleusten wir noch und legten dann eine nicht geplante Übernachtung ein.  Pünktlich am nächsten Morgen begann die begleitete Fahrt. Nur, statt 4 Männer war lediglich ein jüngerer Mann zu sehen, dessen Arbeitseifer kaum zu unterbieten war. Entsprechend schnell kamen wir also voran. Vor jeder Brücke mussten wir warten, denn unser Begleiter war noch mit dem Schließen der letzten Brücke beschäftigt. Aber je später der Morgen wurde, desto mehr Begleiter kamen, bis es endlich 4 waren. Nun ging es einigermaßen zügig voran.  Auf halber Strecke bis zur Stadt Stadskanaal war Personalwechsel, die Veendamer-Mannschaft wurde durch die Stadskanaaler abgelöst. Nun lief es genau anders herum. Wir wurden aufgefordert schneller zu fahren, da es sonst ein Zeitproblem gäbe. (Vielleicht bangten sie um ihre Mittagspause.) Die 4 waren richtige Akkord-Arbeiter und wir erreichten Stadskanaal noch vor 13 Uhr, trotzdem blieben wir hier zur Übernachtung.  Morgens, wir frühstückten gerade, klopfte es am Boot. Wir wurden aufgefordert, uns für die Weiterfahrt in 15 Minuten bereit zu machen.  Es ging also pünktlich weiter. Unsere Begleiter arbeiteten zügig und um 14:15 Uhr hatten wir den Stadskanaal, Musselkanaal und Ter Apelkanaal geschafft. Nun nur noch nach links in den Haren-Rütenbrock-Kanal und Deutschland lag vor uns. „Lag vor uns“ kann man in diesem Fall wörtlich nehmen, denn an der Grenzbrücke im H-R-Kanal sah es so aus:     Es lagen bereits 3 Boote vor der Brücke, ein viertes Boot legte gerade am Ufer an. Ich rief bei der Schleuse in Haren an, von dort werden die Schleusen und Brücken im H-R-Kanal gesteuert. Die Auskunft war nicht gerade aufbauend, war sie sinngemäß: wir haben ein Softwareproblem im Kanal mit einer Brücke, sie lässt sich nicht heben. Ein Techniker ist bereits unterwegs. Wann es weitergeht kann nicht gesagt werden. Legen sie an und warten. Ich habe dann nur zurückgefragt, wo im Kanal ohne Anlegestelle denn bitte angelegt werden soll. Eine Antwort bekam ich nicht mehr, es wurde einfach aufgelegt.  Nach einer guten halben Stunde, wurde die Signalisierung plötzlich ohne weitere Information auf grün-rot geschaltet „Brücke wird zur Öffnung vorbereitet“. Das wurde auch Zeit, denn den Kanal muss man normalerweise bis 18:00 Uhr passiert haben. Danach wird nicht mehr geschleust und auch keine Brücke mehr gehoben (der öffentliche Dienst hat also pünktlich Dienstschluss). Bis zur ersten Schleuse ging es nun im Schneckentempo voran. Erlaubt war 6km/h und das erste Boot (Steuermann Beamter?) hielt sich eisern an diese Geschwindigkeit, überholen war leider nicht möglich. An der Schleuse dauerte es dann lange, bis die ersten Boote in der Schleuse ihren Platz gefunden hatten. Ich verzichtete auf die Einfahrt, das war mir zu nervig. Außerdem war ich so bei der nächsten Schleusung der erste und konnte dann das Tempo vorgeben.  Hinter der Schleuse habe ich nicht auf den Tacho geguckt, sondern ich habe beobachtet, welche Welle unser Boot erzeugt. Unsere Welle war klein genug, um das Ufer nicht zu beeinträchtigen. Und wir waren schnell genug und erreichten um 17:30 Uhr die letzte Schleuse in Haren. Wir hatten es geschafft. Um 18:00 liefen wir in den Yachthafen Haren-Ems ein, wo wir 4 Tage blieben.  Viel unternommen haben wir in Haren nicht mehr. Es war wieder ziemlich heiß geworden, zu ausgedehnten Radtouren hatten wir deswegen keine Lust. Stadtbummel und Besichtigung des Doms, das Wahrzeichen der Stadt, waren unsere einzigen Unternehmungen in der Stadt an der Ems. Die Hitze des Tags wurde von der Kühle der Nacht vertrieben, das Ergebnis war morgens gut zu sehen. Es war fast schon Altweibersommer.  Gut ausgeruht machten wir uns auf den Weg nach Lingen-Hanekenfähr/Ems. Wie vor drei Jahren legten wir an der Steganlage des „Hotel am Wasserfall“ an. Damals hatten wir Hochwasser, nun hatte die Ems einen normalen Wasserstand. Wie groß das Hochwasser tatsächlich war, lässt sich aus dem direkten Vergleich am besten ersehen.   Den Weg nach Hause setzten wir bereits am nächsten Morgen um 8:00 Uhr fort. Auf dem Weg zum Mittellandkanal waren sechs Schleusen zu bewältigen, von diesen schafften wir vier im Expresstempo, d.h. wir erreichten die Schleuse und durften direkt einfahren. Besser kann es nicht laufen. Auch die anderen beiden Schleusen ließen uns maximal 20 Minuten warten. Bei Schleusen dieser Größe war das gerade die Dauer der Gegenschleusung. Bei so viel Glück war es also kein Wunder, dass wir um 14:30 bereits den Mittellandkanal erreichten. Das letzte Stückchen bis zur Marina Recke war nur noch ein Katzensprung.  Die weiteren MLK-Etappen waren ereignislos eintönig, so dass ich hier nur kurz die Etappenziele nenne: Bad Essen (wie vor drei Jahren immer noch ein leerer Hafen), Minden (wie bei der Hinfahrt beim Yachtclub Minden), Hannover-List, Sülfeld und Haldensleben. Das Wetter während der MLK-Fahrt war bisher ideal gewesen, immer trocken und angenehme Temperaturen um 20 Grad. Die Fahrt von Haldensleben bis zur Schleuse Hohenwarthe war genau das Gegenteil: Dauerregen bei maximal 15 Grad, ein miserables Wetter. Dazu mussten wir vor der Schleuse volle zwei Stunden warten, bis endlich ein Berufsschiffer kam und wir mit ihm geschleust wurden.  Endlich hatten wir den MLK geschafft, die Elbe-Havel-Wasserstraße war das neue Revier. Bis Genthin mussten wir noch die Schleuse Zerben absolvieren, was jedoch problemlos war. Bei der Anfahrt zur Schleuse hatte ich im Fernglas gesehen, dass das Tor offenstand und die Signalisierung auf grün geschaltet war. Via Funk nahm ich Kontakt auf und bekam die schönste aller möglicher Antworten: „macht zügig, wir warten“. 15 Minuten später fuhren wir bereits wieder aus der Schleuse heraus. Im Dauerregen steuerten wir den Stadthafen Genthin an, wo wir beim Anlegen noch einmal richtig nass wurde.  Ob es die ganze Nacht weiter regnete weiß ich nicht, denn die Fahrt war doch ziemlich anstrengend gewesen. Mein Schlaf war tief, fest und erholsam. Als ich wach wurde, sah die Welt im wahrsten Sinne des Wortes anders aus. Die Sonne strahlte vom Himmel. Der Wind war zwar böig, was uns aber auf dem Weg nach Potsdam nicht störte. In Potsdam stand dann noch eine Übernachtung beim Eisenbahner-Verein an, bevor wir zur letzten Etappe aufbrachen. Über Teltowkanal (mit langer Wartezeit an der Schleuse Klein-Machnow), Britzer-Zweigkanal und Spree erreichten wir wieder unseren Ausgangspunkt, den Cöpenicker Segler-Verein.   Nach 4 Monaten und 4 Tagen waren wir wieder in Friedrichshagen angekommen.    Für mich war das Verfassen dieses Berichts wie ein Neu-Durchleben der Reise. Gisela hat sorgfältig Korrektur gelesen und damit die Tour ebenfalls im Kopf noch einmal erlebt. Und wir sind uns beide einig: Es war ein sehr  schöner Törn und wir freuen uns schon auf die kommende Saison, wo immer sie uns auch hinführen mag. zurück zurück Galerie Galerie zurück zurück Galerie Galerie
Wilhelminaschleuse außer Betrieb